Leseproben

Düstere Legenden Edition Lempertz 2014

 Die Bestie von Gévaudan

 

 Zwischen 1764 bis 1767 ereignete sich im südfranzösischen Gévaudan eine Mordserie, welcher einer unheimlichen, wolfsähnlichen Bestie zugeschrieben wurde. Weder ortsansässige Jäger noch die Soldaten König Louis XV. konnten der Lage Herr werden. Über einhundert Menschen, meist Frauen, fielen der Bestie zum Opfer. Erst dem Schankwirt Jean Castel gelang es durch eine glückliche Fügung, dass Tier zur Strecke zu bringen. Bis heute gibt es jedoch Gerüchte, dass Jean Castel selbst in die Morde verwickelt war.

Ein wunderschöner Sommertag im Süden Frankreichs neigte sich seinem Ende zu. Das junge Mädchen aus dem Dorf Langogne hatte den ganzen Tag auf einer einsam gelegenen Wiese weit ab des Dorfes die Kühe der Familie gehütet. Um vor Einbruch der Dunkelheit wieder zu Hause zu sein, begann das Mädchen die Kühe zusammen zu treiben, welche sich gemütlich grasend auf der Wiese verteilt hatten. „Ach wenn ich doch einen Hund hätte“, dachte das Mädchen. Der alte Familienhund war letzten Winter an Altersschwäche gestorben und Vater hatte noch keinen neuen angeschafft. Ein wachsamer Hund hätte die folgenden Ereignisse wohl verhindern können. Das Mädchen berichtete später unter Tränen, dass sie plötzlich Rascheln in einem nahegelegenen Wäldchen hörte. Sie hatte nicht weiter darauf geachtet, vermutete ein Kaninchen oder anders kleines Tier im Unterholz. Plötzlich stand ein unheimliches Wesen vor ihr, welches das Mädchen nur unter Stocken beschreiben konnte. Das Untier hatte in etwa die Größe eine Esels und war mit kurzem, dunkelroten Fell bedeckt. Besonders auffallend waren die rüsselartige Schnauze sowie die kleinen Ohren, welche so gar nicht zur Größe des Tieres passten. Außerdem war dem zu Tode erschrockenen Mädchen noch der unverhältnismäßig lange Schwanz aufgefallen. Am erstaunlichsten jedoch war die Tatsache, dass sich das Wesen wie ein Mensch auf zwei Beinen fortbewegte. Das Mädchen war wie erstarrt im Angesicht der Bestie. Mit seltsam fauchenden Geräuschen kam das Untier auf sie zu und das Mädchen glaubte, sein letztes Stündlein habe geschlagen. Zu seinem Glück witterten die Bullen die Gefahr und stellten sich schützend vor das Mädchen. Die gewaltigen Hörner der Rinder schienen das Untier zu verunsichern, worauf dieses wieder im Wald verschwand. Das völlig verstörte Mädchen rannte weinend ins Dorf zurück und fiel seinem Vater schluchzend in die Arme. Nur schwer konnte jener das Kind beruhigen. Erst nach einem kräftigen Schluck Wein war das Mädchen in der Lage, das Vorgefallene zu berichten. Den Anwesenden erschien die Geschichte völlig absurd, meinten, die Kleine hätte sich vor einem Wolf erschreckt, welcher zufällig ihren Weg gekreuzt hatte. Das Mädchen schwor jedoch bei allen Heiligen, dass es kein Wolf gewesen war, welcher ihr aufgelauert hatte, sondern jenes beschriebene Untier.

Der Überfall sorgte für einige Aufregung im Gévaudan, einem Landstrich im südlichen Frankreich, welcher heute zum Dèpartement Lozère gehört. Tagelang diskutierten die Dorfbewohner den mysteriösen Vorfall. In die bedauernden Stimmen mischten sich aber auch schnell Zweifel an der Geschichte des Mädchens. Wenn es schon kein Wolf war, vielleicht hatte dann ein zerlumpter, in Tierfelle gehüllter Landstreicher das Kind erschreckt. Vielleicht hatte sich das Kind die Geschichte auch nur ausgedacht, um sich wichtig zu machen. Kinder neigten bekanntlich gerne zum Fabulieren und glaubten die erfundenen Geschichten am Ende selbst. Eine Klärung der Ereignisse schien letztendlich nicht möglich, worauf die Bauern den Überfall schnell vergaßen. Die tägliche Arbeit war hart und dem Mädchen war bis auf einen tüchtigen Schrecken nichts passiert.

 Nur wenige Monate später sollte die Bestie jedoch auf grausame Art in das kollektive Gedächtnis der Bewohner des Gévaudan zurück kehren. Anfang August 1764 entdeckten spielende Kinder auf einer Wiese südlich der Ortschaft Langogne den grausam verstümmelten Körper eines toten Mädchens. Nachforschungen ergaben, dass es sich dabei um die 14-jährige Jeanne Boulet aus dem Dorf St. Ètienne de Lugdarès handelte, welche von ihren Eltern schon seit Tagen vermisst wurde. Das Opfer wies grässliche Verletzungen auf. Hals und Brustkorb des Mädchen waren augenscheinlich von einem gewaltigen Gebiss zerfetzt. Der Leichenbeschauer stellte außerdem fest, dass mehrere innere Organe fehlten. Die Bewohner der umliegenden Dörfer waren wie gelähmt vor Schreck. Welches ungeheuerliche Wesen konnte solche schrecklichen Wunden verursachen? War es ein Wolf? Doch Wölfe hatten eine natürliche Scheu vor Menschen, gingen ihnen aus dem Weg. In langen, strengen Wintern kamen Wölfe aus Hunger gelegentlich näher an die menschlichen Behausungen heran, doch im Sommer gab es genügend Beute in den Wäldern. Nun erinnerten sich die Bauern an das mysteriöse Wesen, welches das Mädchen aus Langogne beim Kühehüten erschreckt hatte.

Während die verängstigten Menschen noch über die unheimliche Bestie rätselten, wurde am 8. August das nächste Opfer entdeckt. Holzfäller stießen nahe dem Dorf Puylaurent unvermutet auf den ebenfalls zerfetzten Leichnam einer jungen Frau. Dann ging es Schlag auf Schlag. Fast täglich wurden neue Opfer der Bestie gefunden. Dem unheimlichen Wesen schien es nichts auszumachen, weite Strecken zurück zu legen, die bestätigten Morde fanden immerhin in einem Umkreis von 65 Kilometern statt. Die ersten Opfer waren junge Mädchen, später kamen auch erwachsene Frauen und junge Männer hinzu. Unter den verängstigten Menschen des Gévaudan machte bald das Gerücht über einen Werwolf die Runde, welcher für die Morde verantwortlich sei. Doch Werwölfe töteten laut dem weitverbreiteten Volksaberglauben bekanntlich in der Nacht, wenn sich schon lange kein Bewohner des Gévaudan mehr aus dem Haus traute. Das vermeintliche Ungeheuer mordete jedoch am helllichten Tag, wobei immer seltsamere Details zu Tage traten. Waren die ersten Opfer wie von einem gewaltigen Raubtiergebiss zerfetzt, wiesen die Leichen später eine Vielzahl von Schnittwunden wie von einem Messer auf. Welches Tier konnte seinem Opfer solche Wunden beibringen? Zudem fand man manche der weiblichen Opfer entkleidet, was für weiteres Entsetzen bei den Dorfbewohnern sorgte.

Mit fortschreitender Opferzahl begann sich Panik unter den Menschen des Gévaudan breit zu machen. Viele verließen kaum noch das Haus, das Vieh blieb im Stall. Die Menschen beteten und hofften auf ein Wunder, doch das unheimliche Wesen mordete weiter. Die Bauern waren der Bestie praktisch schutzlos ausgeliefert. Nur wenige von ihnen besaßen Schusswaffen, mit Sensen und Äxten war solch einem mörderischen Wesen aber wohl kaum beizukommen. Die Hoffnung der Menschen des Gévaudan ruhte auf einigen Jägern, welche unermüdlich die Landschaft durchstreiften. Dann am 8. Oktober 1764 ein Lichtblick. Auf einer Waldlichtung erblickten zwei Jäger ein Wesen, auf welches die Beschreibung von Überlebenden der Überfälle zutraf. Raubtierhaft, doch nicht wirklich einem Wolf oder anderem gefährlichen Tier ähnlich. Die Jäger feuerten aus kurzer Distanz mehrere Salven auf das Tier, welches getroffen zusammenbrach. Es konnte sich jedoch wieder aufraffen und die Flucht ergreifen. Die nachsetzenden Jäger konnten das Tier noch mehrmals mit Kugeln treffen, verloren aber bei der Verfolgung im dichten Unterholz den Anschluss. Das sie das unheimliche Wesen jedoch mehrfach angeschossen hatten, gingen die Männer davon aus, dass die Beute im Wald verenden würde. Siegestrunken feierten die Jäger in der nächstbesten Schänke ihren Erfolg und ließen sich von den erleichterten Bauern Runde um Runde spendieren. Doch die Freude der Menschen im Gévaudan währte nur kurz. Nur wenige Tage nach dem vermeintlichen Tod der Bestie wurde der nächste verstümmelte Leichnam entdeckt. Opfer war der 13-jährige Jean Rieutort aus dem Dorf Souleyrols.

 Inzwischen hatte sich auch die Kirche eingeschaltet, welches die Untaten der Bestie natürlich als die Strafe Gottes für das lasterhafte Leben der Dorfbewohner darstellte. Der zuständige Bischof Gabriel-Florent de Choiseul Beaupré verfasste einen entsprechenden Hirtenbrief, welchen er in allen Dörfern verlesen ließ. Darin hieß es unter anderem: „Die Gerechtigkeit Gottes, sagt der heilige Augustinus, kann nicht hinnehmen, dass die Unschuld unglücklich ist. Die Strafe, die er verhängt, setzt immer eine Verfehlung dessen voraus, der sie sich zugezogen hat. Aus diesem Prinzip heraus wird es für euch einfach sein, zu verstehen, dass euer Unglück nur aus euren Sünden entstanden sein kann.“ Passenderweise fand sich noch eine Bibelstelle, in welcher es hieß: „Den Zahn der Raubtiere lasse ich auf sie los.“ Für den Klerus war das Unheil, welches das Gévaudan heimsuchte, eine klare Sache. Nur der Zorn Gottes konnte so eine Bestie hervorbringen. Allein die Abkehr von allem sündigen Verhalten und die bedingungslose Hingabe an Gott konnte die Menschen noch vor der Bestie retten. Für alle Gotteshäuser der Gegend wurden pausenlose Gebete angeordnet, um der Lage Herr zu werden. Der übertrieben religiöse Eifer schien das unheimliche Wesen jedoch nicht zu beeindrucken, es mordete unvermindert weiter


Die schauerliche Ereignisse im Gévaudan waren inzwischen bis an den Königshof in Versailles gedrungen. König Louis XV. sah sich genötigt, eine Dragonereinheit zu entsenden, um die Bevölkerung des Gévaudan vor der Bestie zu schützen. Laut einer beliebten, wenn auch unsinnigen Verschwörungstheorie, war es der König selbst, welcher die Morde der angeblichen Bestie inszenieren ließ. So wollte er die Entsendung der Truppen rechtfertigen, welche in Wahrheit gegen die Hugenotten vorgehen sollten. Die einfache Bevölkerung im abgelegenen Gévaudan scherte sich jedoch schon immer wenig um politische wie religiöse Strömungen. Das Leben auf dem Lande war hart, es gab wichtigere Dinge im Leben. Zudem brauchte der französische König mit Sicherheit keine Handhabe, um den Einsatz seiner Truppen zu rechtfertigen.

  Capitaine Duhamel quartierte sich mit seinen insgesamt 56 Dragonern in der Ortschaft Saint-Chèly-d`Apcher ein, um von dort aus die Jagd auf die Bestie zu koordinieren. Duhamel war ein erfahrener Kriegsmann, welcher am Gelingen der Operation keinerlei Zweifel hegte. Die Dragoner führten mit Hilfe der ansässigen Bevölkerung großangelegte Treibjagden durch, durchkämmten systematisch die Gegend der Überfälle. Mehrfach soll es zu Begegnungen mit der Bestie gekommen sein, welche den Soldaten jedoch immer wieder entwischte. Capitaine Duhamel griff nach den erfolglosen Treibjagden zu einer List und ließ einige seiner Männer als Frauen verkleidet durch das Gévaudan spazieren. Da die Bestie mit Vorliebe Frauen anfiel, wollte man so das Untier anlocken und zur Strecke bringen. Es muss ein amüsanter Anblick gewesen sein, wenn große, kernige Soldaten in Frauenkleidern über die Wiesen lustwandelten. Den Bewohnern des Gévaudan war allerdings wenig zum Lachen zu mute, da auch die List mit der Verkleidung keinen Erfolg erzielte. Die anwesenden Dragoner wurden den Dorfbewohnern mit der Zeit sogar eher lästig. Monatelang mussten sie die königlichen Truppen verköstigen und in ihren Häusern schlafen lassen. Das einzige messbare Ergebnis waren dabei die ausgetrunkenen Weinvorräte und leeren Speisekammern der Bauern. Der Bestie wurden die Dragoner indes nicht habhaft. Vielmehr belästigten die Soldaten immer wieder die Töchter und Frauen der Bauern, so dass die Bewohner des Gévaudan froh waren, als der König seine Truppen abzog.

  Die Dorfbewohner standen der Bestie wieder allein gegenüber. Die Geschichten über die grausamen Morde hatten sich inzwischen in weiten Teilen Frankreichs herum gesprochen. Verschiedene Adlige legten für eine Kopfgeldprämie zusammen, worauf auch der König eine größere Summe beisteuerte. Insgesamt kam eine Summe von 9.000 Livres zusammen, was in etwa dem Gegenwert von 100 Pferden entsprach. Mit der Aussicht auf so eine Menge Geld wurden im Frühjahr 1765 eine Vielzahl von Jägern, Abenteurern und Glücksrittern ins Gévaudan gelockt. Einer davon war ein gewisser Denneval, welcher als der berühmteste Wolfsjäger Südfrankreichs galt. Er rühmte sich, gemeinsam mit seinem Sohn bereits 1.200 Wölfe zur Strecke gebracht zu haben. Denneval und sein Sohn ließen sich im Dorf Malzieu nieder, von wo aus sie gewaltige Treibjagden organisierten. Die Dorfbewohner waren mit Feuereifer dabei, da sie große Hoffnungen in den berühmten Wolfsjäger setzten. Es wurden zwar eine Vielzahl von Wölfen geschossen, keines der Tiere hatte jedoch auch nur im entferntesten Ähnlichkeit mit der beschriebenen Bestie. Denneval wollte schon wieder resigniert abziehen, als sich am 29. April eine Chance für die Ergreifung der Bestie auftat. Zufällig beobachtete der Gutsherr De la Chaumette aus einem Fenster seines Hauses, wie sich ein wolfsähnliches Wesen an eine Hirtenjungen und dessen Herde heranschlich. Schnell rief der Gutsherr seine beiden Brüder zu Hilfe. Mit Gewehren bewaffnet stellten sich die Männer dem unheimlichen Wesen entgegen. Todesmutig marschierten sie auf die Bestie zu und feuerten mehrere Salven ab. Das Tier brach von mehreren Schüssen getroffen zusammen, konnte jedoch wieder einmal die Flucht ergreifen. Schnell wurde Denneval informiert, welcher mit mehreren anderen Jäger die noch frische Fährte verfolgte. Obwohl das verwundete Tier eine gut sichtbare Blutspur hinterließ, wurde es weder tot noch lebend entdeckt. Statt dessen war schon am nächsten Tag die traurige Nachricht zu vernehmen, dass im 20 Kilometer entfernten Venteuges erneut eine grausam verstümmelte Mädchenleiche entdeckt wurde. Frustriert und in seiner Jägerehre gekränkt, verließ Denneval umgehend das Gévaudan.

Das Morden ging unvermindert weiter. Die Adligen der umliegenden Ortschaften richteten mehrere Petitionen an König Louis XV., welcher nun zu seiner letzten Trumpfkarte griff. Er beauftragte seinen persönlichen Jagdmeister, Francois Antoine de Beauterne, sich der Bestie von Gévaudan anzunehmen. Beauterne galt als erfahrener Weidmann, schien der geeignete Mann, um das Problem zu lösen. Für seine Mission stellte Beauterne eine wohl ausgesuchte Mannschaft aus mehreren Jägern, erfahrenen Wildhütern und kriegserprobten Soldaten zusammen, welche zudem von einer Meute Bluthunde begleitet wurde. Beauterne quartierte sich mit seinen Männern im Schloss Besset ein und begann, die Jagd auf die Bestie akribisch vorzubereiten. Er inspizierte die Tatorte, ließ Karten vom Gévaudan anfertigen, sprach mit überlebenden Augenzeugen. Obwohl das Morden unvermindert weiter ging, ließ sich der königliche Jagdmeister nicht aus der Ruhe bringen. Sein Vorgehen hatte sich viele Male bewährt und die Bestie sollte ihm nicht entwischen. Im September 1765 hatten sich die Angriffe der Bestie in der Region um St. Julien des Chazes gehäuft. Beauterne sah seine Chance gekommen. Er organisierte eine gezielte Treibjagd, welche die Bestie unweigerlich in die Bèal-Schlucht treiben sollte, wo Beauterne mit mehreren schwerbewaffneten Männern lauerte. Tatsächlich erschien ein stattlicher Wolf am Rande der Schlucht, welche Beauterne höchst persönlich mit mehreren Schüssen erlegte. Die Nachricht vom Tod der Bestie verbreitete sich wie ein Lauffeuer im Gévaudan. Die Menschen fielen sich vor Freude weinend in die Arme, der Wein floss in Strömen. Endlich war die Gefahr vorbei, die Menschen konnten wieder ohne Angst ihrem Tagewerk nachgehen. Das Urteil des Chirurgen Monsieur Boulanger fiel dagegen weniger euphorisch aus. Der erlegte Wolf war mit 1,80 Meter Länge und einem Gewicht von 60 kg zwar ein ungewöhnlich großes Tier, die Obduktion ergab jedoch keinerlei Hinweise darauf, dass es sich tatsächlich um die Bestie von Gévaudan handelte. Weder in Magen noch Darm wurden menschliche Überreste gefunden. Die glücklichen Dorfbewohner störte das jedoch in keinster Weise und auch der erfolgreiche Jäger Beauterne ließ sich seinen Erfolg nicht schmälern. Um ganz sicher zu gehen, blieb er noch einige Tage im Gévaudan. Als keine weiteren Morde gemeldet wurden, erklärte Beauterne die Bestie für erlegt und kehrte an den Königshof zurück. Beauterne hatte den Wolfskadaver von einem Tierpräparator fachmännisch herrichten lassen und präsentierte ihn am 21. September dem König. Jener war hocherfreut, die lästige Angelegenheit hinter sich zu wissen, zahlte seinem Jagdmeister die ausgeschrieben Prämie und erklärte das Thema Bestie von Gévaudan für abgeschlossen.

Anscheinend hatte die Bestie nur auf die Abreise von Beauterne gewartet, denn schon bald wurden wieder grässlich verstümmelte Leichen gefunden. Zu jener Zeit entstanden auch die ersten Gerüchte, dass hinter den Morden ein Mensch stecken musste. Der tatsächliche Mörder hatte absichtlich keine Morde mehr begangen, um Beauterne im Glauben zu lassen, dass die Bestie tatsächlich erlegt sei. Es musste sich also um einen rational denkenden Mensch handeln, ein Tier hätte einfach weiter gemordet. Um die Blamage seines persönlichen Jagdmeisters nicht eingestehen zu müssen, verbot König Louis XV. jegliche behördlichen Berichte über neue Attacken der Bestie von Gévaudan. Auch in den kirchlichen Sterbebüchern durften die Todesfälle nicht mit der Bestie in Verbindung gebracht werden. Aus mündlichen Überlieferung ist aber bekannt, dass das Morden unvermindert weiter ging. Da von Seiten der königlichen Regierung keine Hilfe mehr zu erwarten war, sahen sich die Bewohner des Gévaudan der Bestie wiederum schutzlos ausgeliefert. Nach einer kurzen Zeit verstärkter Aktivitäten der Bestie im Winter 1765-66, wurde es im Jahr 1766 relativ ruhig im Gévaudan. Im Frühjahr 1767 schien die Bestie jedoch wieder verstärkt Appetit auf Menschenfleisch zu verspüren.

 

 Nun sah der örtliche Jäger Jean Castel seine Stunde gekommen. Castel betrieb mit seiner Familie in La Besseyre-St. Mary eine Schankwirtschaft und war weithin als Sonderling bekannt. Auf Grund seines rüpelhaften Benehmens und cholerischen Wutanfälle mieden die Dorfbewohner Castels Schenke, so dass jener den Lebensunterhalt seiner Familie mit Wilderei aufbessern musste. Da Castel als ausgezeichneter Schütze galt, verpflichtete ihn der ortsansässige Marquis Jean-Joseph d’Apcher für eine großangelegte Treibjagd am 19. Juni 1767. Laut einer mündlich überlieferten Geschichte soll Castel eigens für die Jagd auf die Bestie Silberkugeln gegossen haben. Jene ließ er zudem vom örtlichen Priester segnen. Kirchlich geweihte Silberkugeln lassen unweigerlich an einen Werwolf denken, welcher nur mit Silberkugeln erlegt werden konnte. Da Werwölfe aber bekanntlich nur im Aberglauben des Volkes existieren, können wir die Geschichte von Castels geweihten Kugeln getrost ins Reich der Mythen und Legenden abtun. Entstanden ist dieses Gerücht wohl im Zusammenhang mit der Vorstellung, dass es sich bei der Bestie von Gévaudan um einen Werwolf handelte. Castel berichtete später, dass eine innere Stimme ihn während der Treibjagd von den anderen Jägern weg gelotst habe. Sein Instinkt führte ihn geradewegs zum südöstlichen Hang des Berges Mouchet, wo er geduldig ausharrte. Tatsächlich tauchte nach einiger Zeit ein großer Wolf auf, den Castel mit einem einzigen Schuss ins Herz erlegte. Zeugen für den exzellenten Schuss gab es keine. Die übrige Jagdgesellschaft war so weit entfernt, dass nicht einmal der Schuss gehört wurde. Die mysteriösen Umstände von Castels Jagderfolg sollten recht bald zu Zweifeln an dessen Ablauf führen. Zunächst waren die Bewohner des Gévaudan jedoch glücklich, die Bestie los zu sein. Die vom Marquis d’Apcher gezahlte Prämie von 72 Livres fiel zwar verhältnismäßig mager aus, Castel wurde jedoch im ganzen Gévaudan als Volksheld gefeiert.


Was geschah mit dem Kadaver der vermeintlichen Bestie? Im Pariser Nationalarchiv gibt es eine Akte, welche darüber Auskunft gibt. Am Tage nach der erfolgreichen Jagd wurde das tote Tier in das Anwesen des Marquis d’Apcher gebracht. Dabei soll der Kadaver bereits Anzeichen von fortschreitender Verwesung gezeigt haben. Im vorliegenden Bericht heißt es bezeichnend: „der Kadaver hätte zum Himmel gestunken.“ Der bei einer flüchtigen Autopsie anwesende Notar Maitre Marin vermerkte, der Wolf habe eine Länge von 1,50 Metern gehabt und eine Schulterhöhe von 77 cm. Rein optisch war der Kadaver einem Wolf ähnlich, jedoch mit einem ungewöhnlich großen Kopf. Zudem hatte das Tier außergewöhnlich große Pfoten mit überdurchschnittlich starken Krallen. Auch die Fellfarbe des Tieres soll außergewöhnlich gewesen sein, rötlich-grau mit schwarzen Streifen durchzogen. Da sich der Kadaver der vermeintlichen Bestie bereits im Stadium der fortschreitenden Verwesung befand, war eine Konservierung nicht mehr möglich. Castel trennte lediglich eine der Pfoten ab, um sie als Andenken aufzubewahren. Der Rest des Kadavers wurde verbrannt und im Wald verscharrt. Der Naturforscher Georg Luis Leclerc begutachtete die Pfote der Bestie zu einem späteren Zeitpunkt und beschrieb sie als gewöhnliche Wolfspfote ohne sonderliche Merkmale. Zu jener Zeit waren schon im ganzen Gévaudan Gerüchte im Umlauf, welche Castel mit den Untaten der Bestie in Zusammenhang brachten. Nachdem die erste Euphorie über den Tod des Ungeheuers verflogen war, machten sich die Bewohner des Gévaudan vermehrt Gedanken über die Ungereimtheiten von Castels vermeintlichen Jagderfolg. Dabei waren es nicht nur Gerüchte, welche man möglicherweise noch hätte auf Neider schieben können. Am 16. August 1765 hatten zwei Wildhüter aus dem Gefolge von Francois Antoine de Beauterne, Castels Söhne Pierre und Antoine bei den Behörden angezeigt. Sie gaben zu Protokoll, die Brüder Castel hätten sie absichtlich in ein Schlammloch geführt, wobei die beiden Wildhüter fast zu Tode gekommen wären. Während die Männer sich verzweifelt bemühten, der Todesfalle zu entkommen, standen die zwei Burschen angeblich lachend daneben und verweigerten jede Hilfe. Die Castel-Brüder wurden verhaftet, zwölf Tage später jedoch wieder entlassen, da Aussage gegen Aussage stand. Spätere Ermittlungen ergaben, dass sich in eben diesen zwölf Tagen im gesamten Gévaudan keine Morde ereigneten, welche der Bestie zugeschrieben werden konnten. Auch die ungewöhnlich schnelle Verwesung des Kadavers der vermeintlichen Bestie sorgte für Unstimmigkeiten. Die Vermutung lag nahe, dass Castel das Tier bereits Tage vorher getötet hatte. Aber warum verschwieg er das? Seinem Ruhm als Bezwinger der Bestie hätte es keinen Abbruch getan, hätte Castel das Untier schon vor der Treibjagd erlegt.


 

Die angesprochenen Ungereimtheiten und die mysteriösen Umstände der Jagd vom 19. Juni 1767 verstärkten bei den Bewohnern des Gévaudan den Verdacht, dass Castel etwas mit den Morden zu tun hatte. In diesem Zusammenhang wird auch immer wieder erwähnt, dass die Familie Castel eine Menagerie außergewöhnlicher Tiere unterhielt, mit welcher Besucher in die schlecht gehende Schenke gelockt werden sollte. Darunter befand sich angeblich auch eine afrikanische Tüpfelhyäne, welche als eigentliche Bestie von Gévaudan in Betracht gezogen wurde. Das die Familie Castel tatsächlich einen Privatzoo unterhielt, ist historisch nicht verbürgt. Zudem stellt sich die Frage, wie einfache Leute aus Südfrankreich in den Besitz eines solchen exotischen Tieres wie einer Tüpfelhyäne gekommen sein sollen. Obwohl sich die Gerüchte um Castels Mitschuld an den Morden im Gévaudan hartnäckig hielten, konnte ihm letztendlich keine Beteiligung nachgewiesen werden. Es gab auch keine offiziellen Untersuchungen, gemeinhin galt Castel immer noch als der Befreier des Gévaudan. Unbekannte legten dennoch eines Nachts Feuer am Anwesen der Familie, worauf Haus und Gastwirtschaft vollständig niederbrannten. Ihrer Existenz beraubt, verzog darauf die Familie Castel mit unbekanntem Ziel. Heute erinnert nur noch eine steinerne Säule in La Besseyre-Saint-Mary an jenen Mann, welcher angeblich die Bestie von Gévaudan erlegte.

 

Bis heute hält das Rätselraten um die vermeintliche Bestie an. Unzählige Theorien wurden bisher aufgestellt, um was für ein Wesen es sich handelte. Der viel beschworene „böse Wolf“ war es wohl mit Sicherheit nicht. Wölfe haben eine natürliche Scheu vor Menschen. Wenn sich Wölfe menschlichen Behausungen nähern, haben sie es auf Vieh abgesehen. Wolfsangriffe auf Menschen sind äußerst selten und geschehen meist nur, wenn sich der Wolf vom Menschen überrascht fühlt. Die Behauptung, bei der Bestie von Gévaudan hätte es sich um einen tollwütigen Wolf gehandelt, scheidet ebenfalls aus. Ein an Tollwut erkranktes Tier wäre der Krankheit nach einigen Monaten erlegen, die Mordserie dauerte jedoch drei Jahre an. Zudem hätte der tollwütige Wolf die Krankheit an seine überlebenden Opfer übertragen. Keiner der von der Bestie verletzten Menschen hatte jedoch Anzeichen von Tollwut gezeig


Auch die bereits angesprochene Tüpfelhyäne scheidet wohl aus der Reihe der Verdächtigen aus. Wie soll so ein exotisches Tier in den Süden Frankreichs gelangt sein? War es möglicherweise bei einem Wanderzirkus ausgebrochen, wie gerne behauptet wird. Solch ein Vorfall hätte mit Sicherheit für Aufregung gesorgt und wäre einer schriftlichen Notiz würdig gewesen. Nichts dergleichen wurde jedoch vermerkt. Zudem hätte ein Tier, welches das Klima Afrikas gewohnt war, kaum mehrere eisig kalte Winter in Europa überstanden.


Kryptozoologen führen im Falle der Bestie von Gévaudan auch die Möglichkeit an, dass es sich um ein prähistorisches Raubtier handelte, welches durch glückliche Umstände die Zeit überdauert hatte. Als Beispiel wird unter anderem ein Urraubtier angeführt, welches die wissenschaftliche Bezeichnung Hyaenodon trägt. Skelettfunde und moderne Rekonstruktionsmöglichkeiten haben das Bild eines urzeitlichen Tieres erschaffen, was durchaus den Beschreibungen der Bestie von Gévaudan gleicht. Theoretisch wäre es möglich gewesen, dass ein solches Wesen in einer abgeschiedenen Gegend weit weg von menschlicher Zivilisation überlebt hätte. Wohlgemerkt, theoretisch! Überleben setzt Fortpflanzung voraus, für welche eine gewisse Population notwendig ist. Allerdings ist aus keinem Teil Europas eine Sichtung des Hyaenodon bekannt. Die Vorstellung von einem prähistorischen Untier, welches die Morde im Gévaudan begangen haben soll, ist durchaus reizvoll, wenn auch wenig realistisch.


 

Schon eher glaubwürdig klingt die Vermutung, dass es sich bei der Bestie von Gévaudan um einen Hybriden, also einer Züchtung aus Hund und Wolf, handelte. Solche Züchtungen waren schon seit Menschengedenken üblich. Ziel war es, die positiven Eigenschaften des Hundes wieder mit den Urinstinkten seiner wölfischen Vorfahren zu vermischen. Nicht selten spielte auch die gewollte Beimischung der natürlichen Aggressivität des Wolfes eine Rolle. Bestes Beispiel ist die noch junge Rasse des Tschechoslowakischen Wolfshundes. Im Jahr 1955 kam beim Tschechoslowakischen Militär die Idee auf, den bislang eingesetzten Deutschen Schäferhund zu „verbessern“. Man wollte einen Hund schaffen, welcher sich den Bedingungen an der Landesgrenze besser anpassen konnte und zudem aggressiver als der Schäferhund war. Nach eingehenden Studien und sorgfältiger Planung, begann der Biologe Karel Hartl, Karpartenwölfe mit Deutschen Schäferhunden zu verpaaren. Die Züchtung bis hin zum diensttauglichen Hund zog sich über dreißig Jahre hin. Erst ab der fünften Generation war es möglich, einige der Tiere als Diensthunde zu verwenden. 1971 wurde das militärische Zuchtvorhaben eingestellt. Seit 1983 werden auch von privaten Züchtern keine Einkreuzungen von Wölfen in die bestehende Population mehr vorgenommen. Seit 1999 ist der Tschechoslowakische Wolfshund eine anerkannte Hunderasse, die Anzahl der Züchter beschränkt sich heute aber weitestgehend auf die Slowakische Republik.

   Im Falle der Bestie von Gévaudan sei es dahingestellt, ob der von uns angenommen Hybride eine bewusste Züchtung eines Menschen war oder ob eine brave Hundedame dem Charme eines Wolfes erlegen ist. Viel entscheidender ist die Feststellung, dass der vermeintliche Hybride die Morde nur in Zusammenarbeit mit einem Menschen unternommen haben kann. Darauf deuten die strategischen Unterbrechungen der Mordserie, wie etwa kurz vor der Abreise des königlichen Hofjägers Beauterne. Zudem wurden einige der Opfer mit einem Messers verstümmelt, welches wohl kaum ein Tier verwendet haben kann. Eine Vielzahl der weiblichen Opfer fand man auch entkleidet, was auf sexuell motivierte Taten schließen lässt.

 

   Nun stellt sich die Frage, wer um alles in der Welt hatte einen Vorteil davon, gemeinsam mit einem gemeingefährlichen Wolfshund auf Menschenjagd zu gehen. Die Vermutung liegt nahe, dass es sich um einen geistesgestörten Serienmörder handelte, welcher extrem sexuell-sadistische Veranlagungen hatte. Da es sonst weiter keine Verdächtigen gab, scheint der abartige Lustmörder wohl tatsächlich aus den Reihen der Familie Castel gekommen zu sein. Jean Castel selbst kann nicht der Täter gewesen sein, dazu war er in seiner Schankwirtschaft zu präsent. Wenn die Schenke auch alles andere als rentabel war, wurde Castel doch täglich von verschiedenen Gästen gesehen. Er hätte also kaum die Zeit gehabt, auf Menschenjagd zu gehen. In den Fokus unserer Ermittlungen sollte daher eher Castels Sohn Antoine rücken. Jener hatte bereits als Kind große Begeisterung für die Jagd gezeigt und seinen Vater oft bei seinen Wildererzügen begleitet. Im Dorf erzählte man sich außerdem, dass Antoine ein großes Vergnügen daran fand, unschuldige Tiere zu quälen. Wir haben hier also praktisch das übliche Einstiegsverhalten eines Serienmörders. Wenn es historisch auch nicht belegt ist, dass sich exotische Tiere im Besitz der Famile Castel befanden, ist es ohne weiteres denkbar, dass Antoine Castel einen Wolfshund hielt, welche er auf die Menschenjagd abgerichtet hatte. Er selbst hielt sich vielleicht für eine Art Werwolf, welcher gemeinsam mit seinem Gefährten auf Jagd ging. Darauf deutet auch eine Begebenheit aus dem Frühjahr 1767, welche sich des nachts nahe dem Dorf Pontajou zugetragen haben soll. Ein Bewohner des Dorfes vermeinte im Schein des Vollmondes eine nackte, dichtbehaarte menschliche Gestalt am Flussufer zu sehen., welche kurz darauf im Wald verschwand. Dabei soll es sich um Antoine Castel gehandelt haben. Jener war wohl kaum ein „echter“ Werwolf, hielt sich aber möglicherweise für einen. Der dichtbehaarte Körper war dann ein Trugschein, vielmehr wird sich Antoine in Wolfsfelle gehüllt haben, um die Illusion perfekt zu machen. Nicht zuletzt geschah die Begegnung in einer Vollmondnacht, in welcher sich die Werwölfe laut dem Volksaberglauben verwandelten. Das ein Mensch, gekleidet in Tierfelle, sein Unwesen als Bestie von Gévaudan trieb, bestätigte auch die Aussage des Knaben Jaques Portefaix. Jener war von einem Mann im Wolfsfell angegriffen worden, den der beherzte Junge jedoch mit einer Mistgabel in die Flucht schlagen konnte. Theoretisch wäre es auch möglich gewesen, dass zwei unabhängig voneinander operierende Täter agierten, sprich einem nicht näher zu identifizierenden Tier sowie einem Menschen, welcher sich für einen Werwolf hielt. Dagegen sprechen jedoch die strategischen Pausen zwischen den Morden sowie das zeitweilige Abflauen der Mordserie. Ein einzelnes, von Blutgier getriebenes Tier hätte ohne größere Pausen weiter gemordet. Ein ziemlich eindeutiger Hinweis auf Antoine Castel als Drahtzieher der Morde ist außerdem die Unterbrechung der Mordserie während seiner zwölftägigen Inhaftierung.

  Bei der Annahme, dass Antoine Castel die eigentliche Bestie von Gévaudan war, handelt es sich selbstverständlich nur um eine Hypothese. In Anbetracht der Tatsache, dass die Mordfälle nie wirklich aufgeklärt wurden, sei es aber erlaubt, in alle Richtungen zu ermitteln. Interessant wäre noch zu ermitteln, ob Antoine Castel sich nur als Wolf verkleidete, um seine Taten unerkannt zu verüben oder ob er sich tatsächlich für einen Werwolf hielt. Diese Ermittlungen würden hier aber zu weit führen.

  So unglaublich es klingt, aber vielleicht benutzte Jean Castel die abartigen Neigungen seines Sohnes sogar als perfide „Werbestrategie“, um Gäste in sein Wirtshaus zu locken. Castel war allem Anschein nach ein Mensch mit wenig moralischen Bedenken. Er galt als jähzornig, hatte bereits wegen schwerer Körperverletzung im Gefängnis gesessen. Wenn Castels Sohn Antoine tatsächlich die Bestie von Gévaudan war, muss sein Treiben so überhand genommen haben, dass sich der Vater zum Eingreifen gezwungen sah. Möglicherweise konnte Antoine seinen Wolfshund auch nicht mehr bändigen, so dass Jean Castel das Tier tötete. Das würde auch die vorschnelle Verwesung des angeblich am 19. Juni 1767 erschossenen Tieres erklären. Castel hatte den Hybriden schon vorher getötet und an der entsprechenden Stelle versteckt. Er war nun der Held des Gévaudan und konnte mit einem vollen Wirtshaus rechnen.

   Bei den Geschehnissen um die Bestie von Gévaudan handelt es sich um ein Rätsel der Geschichte, welches wohl nie gelöst werden wird. Auch der von mir vorgebrachte Lösungsansatz ist nur eine Vermutung anhand der vorliegenden Indizien. Fakt ist, dass innerhalb von drei Jahren 100 Todesopfer zu beklagen waren. Fast alle wurden grässlich verstümmelt aufgefunden. Täter und Tathergänge konnten nie zweifelsfrei ermittelt werden.

    Die Bewohner des ehemaligen Gévaudan machen sich noch heute das ungelöste Rätsel zu Nutze. Die bluttriefenden Geschichten über die Bestie von Gévaudan locken noch immer Touristen in den Süden Frankreichs. In einem kleinen Museum in der Gemeinde Saugues werden mit lebensgroßen Figuren die wichtigsten Szenen der Geschichte um die Bestie nachgestellt. In der näheren Umgebung von Saugues steht eine riesige Holzskulptur der Bestie von Gévaudan, welche an die Mordserie von 1764-67 erinnern soll. Geklärt wird diese Mordserie wohl niemals werden.

 

 

 

 

 

 



 


 

 

 

Mysterium Heiliger Gral   Bohmeier Verlag 2010

Einführung in die Thematik

Die Suche nach dem Heiligen Gral fasziniert und beschäftigt die Menschheit schon seit Hunderten von Jahren. Es scheint, als sei der Gral die ideale Projektionsfläche für geistige wie materielle Bedürfnisse. Seit Menschengedenken wird der Gral auch als Symbol für alles Geheimnisvolle verwendet, was sich nicht rational erklären lässt. Für meinen Geschmack wird der Begriff Gral allerdings heute viel zu inflationär gebraucht. Durch die unachtsame Verwendung des Wortes wird das Mysterium des Grals immer mehr verschleiert, anstatt es zu lüften. Es wurden Unmengen von Büchern über den Gral verfasst und im Zeitalter der bewegten Bilder eine große Anzahl an Dokumentationen gedreht. Sogar Hollywood hat sich schon des Öfteren mit dem Thema befasst. Die alles entscheidende Frage ist jedoch, um was es sich beim Heiligen Gral eigentlich handelt. Darauf hat es bis heute keine schlüssige Antwort gegeben.
Auch mir wurde diese Frage schon oft gestellt und ich musste zur Verwunderung der Leute immer wieder antworten, dass ich es auch nicht so genau weiß. Der entscheidende Punkt ist, dass es den Gral nicht gibt. Vielmehr kennen wir heute eine Vielzahl von Gegenständen, die mit dem Gral in Verbindung gebracht werden. Wenn man sich also die verschiedenen Versionen der Gralslegende vornimmt, sollte man immer von einem Gral sprechen, nicht von dem Gral.
Wir dürfen auch nicht vergessen, dass der Begriff Gral in Verbindung mit einem mystifizierten Gegenstand erst mit den ersten mittelalterlichen Romanen in Mode kam. Das Wort stammte aus dem Sprachgebrauch des Volkes und somit ist anzunehmen, dass der Begriff in vielfältiger Weise verwendet wurde und sein Ursprung nicht in einem einzelnen Gegenstand zu finden ist. Da es Gralsgeschichten in ganz Europa gibt, ist es völlig klar, dass der Begriff Gral unterschiedlichste Bedeutungen hatte.
In einer Nacherzählung der Artussage habe ich ein schönes Beispiel dafür entdeckt, dass man den Gral in verschiedenster Weise sehen und deuten kann. Es wird berichtet, dass sich die Ritter der Tafelrunde wie üblich zu Pfingsten an ihrem berühmten runden Tisch versammelt hatten. Plötzlich erstrahlte ein gleißendes Licht, welches die Anwesenden blendete. Inmitten dieses Lichtes erschien dann ein Gegenstand, der über dem Tisch zu schweben schien. Nachdem die Erscheinung vorbei war, blickten sich die Ritter glücklich an und redeten wild durcheinander. Seltsamerweise berichtete jeder der Männer von einem anderen Gegenstand, der ihm erschienen war. Einer hatte einen prunkvollen Pokal gesehen, ein anderer einen mit Edelsteinen verzierten Becher. Es wurde von kunstvoll gearbeiteten Schalen gesprochen bis hin zu Kesseln, die mit jeder erdenklichen Art von Speisen gefüllt waren. An dieser Geschichte erkennen wir, dass der Gral keine Konstante darstellt, sondern sich in seine Erscheinung Wünsche und Sehsüchte projizieren lassen.
Menschen neigen dazu, alles, was nicht rational erklärbar ist, mit einem Mysterium zu belegen. So ist es auch beim Thema Heiliger Gral. Wohlmöglich haben die Gralslegenden einen ganz profanen Hintergrund. Der Gral begegnet uns zuerst in der keltischen Mythologie, in der Form eines Nahrung und Leben spendenden Kessels. Das ist verständlich, wenn wir bedenken, was die Menschen der Frühzeit für Grundbedürfnisse hatten. Sie brauchten genügend zu essen und mussten gesund bleiben. In einem Kessel konnten sie Nahrung zubereiten und Heiltränke brauen.
Als das Leben für die Menschen mit der Zeit leichter wurde, verwandelte sich der Kessel in einen magischen Gegenstand, der zur körperlichen zusätzlich noch geistige Nahrung spendete. Dies ist ein möglicher Lösungsansatz, aber bei Leibe nicht der einzige.
In den vergangenen Jahrhunderten und den unterschiedlichen Kulturkreisen, haben sich die verschiedensten Vorstellungsweisen vom Heiligen Gral herauskristallisiert, die ich dem geneigten Leser in meinem Buch näher bringen möchte.

 


 Die Verbreitung der Gralssymbolik

Oberflächlich betrachtet, scheint sich das Thema Heiliger Gral nur auf die Gen de Troyes, Robert de Boron und Wolfram von Eschenbach, um hier nur die wichtigsten Vertreter jener Zunft zu nennen, waren die Ersten, die das Thema Gral der breiten Masse zugänglich machten. Über die genannten Autoren und ihre Werke ist schon viel geschrieben worden. Die Mehrzahl der Gralsbücher beschäftigt sich zum größten Teil damit. Ich halte es also nicht für nötig, selbst darauf einzugehen. Wenn die Geschichten auch künstlerisch äußerst wertvoll sind, finde ich sie aber eindeutig zu sehr religiös geprägt. Außerdem sind sie ungemein vom damaligen Zeitgeist überlagert, so dass sie für die Suche nach dem wahren Ursprung des Gralsmythos nur bedingt taugen. Ich möchte in diesem Kapitel viel mehr auf andere Legenden und Geschichten eingehen, die einen eindeutigen Bezug zum Heiligen Gral aufweisen. 

Der Gral war von jeher das Symbol für die Erfüllung von Wünschen und Sehnsüchten. Als Gralsmotive kennen wir Nahrung spendende Schüsseln, Kessel mit verschiedenen magischen Eigenschaften und sakrale Objekte, die geistige Nahrung spenden. Solcherart Gegenstände finden wir in Legenden von nahezu jedem Kulturkreis.
Schon bei dem Volk der Arier, die etwa ab 2000 v. Chr. im heutigen Indien lebten, begegnen uns Motive des Heiligen Grals. In den Veden, den religiösen Schriften der Arier, wurden die zentralen Himmelskörper Sonne und Mond als nahrungsspendende Gefäße dargestellt. Aus diesen Gefäßen wurden im Jenseits die Götter und Verstorbenen gespeist. Bei den Opferfesten der Arier, die zu Ehren der Götter abgehalten wurden, stellte ein Topf mit Milch die Sonne dar. Ein Topf voller Soma, einem berauschenden Getränk, symbolisierte den Mond. Während der kultischen Zeremonie tranken die Anwesenden abwechselnd aus den beiden Gefäßen und versuchten so, die Götter gnädig zu stimmen. Aus der arisch-indischen Mythologie ist uns auch ein kupferner Kochtopf bekannt, den ein Prinz vom Sonnengott Vivasvant geschenkt bekam. Dieser Kochtopf füllte sich auf Wunsch immer wieder mit Nahrung. Dieser magische Kochtopf bietet eine schöne Überleitung zur deutschen Märchenwelt. Auch dort lassen sich Hinweise auf den Gral finden. Bestes Beispiel ist die Geschichte vom süßen Brei:
Ein armes, aber frommes Mädchen lebte allein mit seiner Mutter und begegnete eines Tages im Wald einer alten Frau. Das Mädchen erzählte der Frau, dass die Familie arm sei und oft hungern müsse. Die alte Frau, wahrscheinlich eine Göttin oder gute Hexe, schenkte dem Mädchen einen kleinen Topf. Wenn man zu diesem die Worte “Töpfchen koche“ sagte, kochte er köstlichen Hirsebrei, soviel man wollte. Waren alle gesättigt, brauchte man nur zu sagen “Töpfchen steh“ und er hörte auf zu kochen. Freudig brachte das Mädchen den Topf nach Hause und die Familie musste nicht mehr Hunger leiden. Eines Tages, das Mädchen war nicht zu Hause, befahl die Mutter dem Topf, zu kochen. Sie labte sich an dem süßen Brei, doch als sie dem Topf wieder Einhalt gebieten wollte, erinnerte sie sich nicht mehr an die richtigen Worte. Der Topf kochte also weiter und der süße Brei füllte bald die ganze Küche, dann das Haus und drang schließlich bis auf die Straße. Bald war die ganze Stadt voll damit, doch zum Glück erschien das Mädchen und rief “Töpfchen steh”. Der Topf stand augenblicklich still, doch jeder der jetzt in die Stadt wollte, musste sich durch den Brei essen.
Der süßen Brei kochende Topf ist eine Form des nahrungsspendenden Grals. Das kleine Mädchen fungiert als Gralswächter, den wir auch aus anderen Geschichten kennen. Nur der Wächter weiß, wie der Gral richtig zu handhaben ist. Dass am Anfang des Märchens ausdrücklich erwähnt wird, dass es ein frommes Mädchen war, die den Topf geschenkt bekam, ist ebenfalls beachtenswert. Die meisten europäischen Volksmärchen entstanden im Mittelalter. In dieser Zeit waren die Vorstellungen der Menschen vom Gral eindeutig christlich geprägt. Nur ein frommes Mädchen war es wert, ein Gefäß zu erhalten, das Ähnlichkeiten mit dem Gral aufwies. Gleichzeitig vereint die Geschichte aber auch vorchristliche Züge von einem Gegenstand, der unbegrenzt Nahrung spendet. Das Märchen vom süßen Brei ist also ein Paradebeispiel dafür, wie sich uralte Legenden mit christlichen Vorstellungen zur Gralssymbolik vermischt haben.
Wir finden aber auch noch in einem anderen Märchen Hinweise auf eine Form des Grals. In “Tischlein deck Dich“ begegnet uns ein bemerkenswerter Tisch. Äußerlich macht er nicht viel her, doch wenn man die magischen Worte spricht, geschieht ein Wunder. Der Tisch ist plötzlich mit einem sauberen Tuch gedeckt, Besteck und Gläser stehen bereit. Es erscheinen Schüsseln mit Gesottenem und Gebratenem, dazu der köstlichste Wein. Ist eine Schüssel oder ein Glas leer, füllen sich diese sofort wieder. In Zusammenhang mit dem Gral wird auch immer wieder erwähnt, dass er die erlesensten Speisen auf den Tisch zaubern konnte. Speziell in den Legenden um König Artus wurde immer wieder erzählt, wie der Gral den Rittern der Tafelrunde jede nur erwünschte Speise brachte. Der Ursprung des “Tischlein deck Dich” kann also durchaus auch in einer frühmittelalterlichen Geschichte liegen.
Eine ähnliche Legende eines Tisches kennen wir auch aus Äthiopien. In einer feierlichen Zeremonie stellte der Dorfälteste jeden Abend den sogenannten Sonnentisch auf. Beim nächsten Sonnenaufgang war der Tisch dann mit allerlei Speisen gedeckt. Die Legende besagt, dass es die Mutter Erde war, die für ihre Kinder sorgte.
Wenn wir gerade dabei sind, in der Ferne nach der Verbreitung des Gralsmythos zu suchen, machen wir einen Sprung nach Japan. Im Dezember 1637 kam es in der japanischen Provinz Hizen sowie der nahegelegenen Inselgruppe Amakusa zu einem Bauernaufstand. Der Aufstand richtete sich gegen den Feudalherren Matsukura Katsuie, der das Leben der ansässigen Bauern durch immer neue Steuererhebungen unerträglich machte. Der größte Teil der Bauern gehörte dem christlichen Glauben an. Grund dafür war der vormalige Herrscher Konishi Yukinaga, der sich zum Christentum bekannt hatte. Unter seiner Herrschaft war es zu einer massiven Missionierung der Bevölkerung durch die Jesuiten gekommen. Der Aufstand der Bauern wurde blutig niedergeschlagen und die christliche Religion in ganz Japan verboten. Für uns ist an der ganzen Geschichte vor allem die Fahne der aufständischen Bauern interessant. Sie zeigt einen Kelch mit einer Hostie, der von zwei Engeln flankiert wird. Die missionierenden Jesuiten hatten also auch die Legende vom Kelche Jesus bis in das ferne Japan gebracht. Die einfachen Bauern müssen von der Gralslegende derart fasziniert gewesen sein, dass sie den Abendmahlskelch als Symbol für ihren Aufstand wählten.
Auch in der nordischen Sagenwelt stoßen wir auf gralsähnliche Gegenstände. Im finnischen Nationalepos Kalevala ist von der Samposage zu lesen. In dieser Sage beauftragt der mystische Held Väinämöinen den Schmied Ilmarinen mit dem Bau der Wundermaschine Sampo. Von dieser Maschine hieß es, dass sie ununterbrochen Mehl, Salz und Goldmünzen produzierte. Der Besitzer dieser Maschine war also dauerhaft von jeglicher materieller Not befreit. Ähnlich ist es auch in den Gralsgeschichten. Wer den Gral errang, brauchte sich um sein zukünftiges Leben keine Sorgen mehr machen. Er war auf Dauer versorgt.
Obwohl ich zu Anfang des Kapitels erwähnte, mich nicht näher mit den mittelalterlichen Gralsautoren befassen zu wollen, möchte ich an dieser Stelle kurz auf den Parzival des Wolfram von Eschenbach eingehen. Bei Eschenbach ist der Gral ein Stein, der lapsit exillis der einst vom Himmel kam. Nach unseren heutigen Vorstellungen kann es sich dabei nur um einen Meteoriten gehandelt haben, der auf der Erde einschlug. In der Kaaba in Mekka, dem Zentralheiligtum des Islam, wird noch heute solch ein schwarzer Meteorit aufbewahrt und verehrt. Der Legende nach soll Abraham, der auch im Islam als Stammvater gilt, diesen schwarzen Stein einst vom Erzengel Gabriel erhalten haben. Natürlich sehen die Muslime den Stein nicht als eine Form des Grals. Ich vermute allerdings, dass er Wolfram von Eschenbach als Vorlage für seinen „lapsit exillis„ diente. Eschenbach lebte in der Zeit der Kreuzzüge und wird wohl von Teilnehmern der Kreuzzüge vom schwarzen Stein in Mekka erfahren haben.
An dieser Stelle möchte ich noch einmal auf die Traditionen des Heiligen Grals in Deutschland kommen.
Die Burg Wildenberg im Odenwald, nahe der Stadt Amorbach, wird gerne als deutsche Gralsburg bezeichnet. Grund dafür ist, dass die Erbauer der Burg Gönner Wolfram von Eschenbachs waren. Dieser soll auf der Burg der Herren von Dürn Teile seines Parzivals geschrieben haben. Die wohlklingende Bezeichnung Gralsburg trägt Burg Wildenberg allerdings nur durch ihre Verbindung zu Eschenbach. Allerdings lässt ihre reizvolle Lage den mit Fantasie begnadeten Besucher durchaus zu dem Schluss kommen, dass es sich hier um die Burg handelt, in der einst Parzival dem Heiligen Gral begegnete.
Mit geheimnisvollen Geschichten über den Heiligen Gral ist auch die Wewelsburg bei Paderborn verwoben. Heinrich Himmler wollte hier für seine SS ein Ordenszentrum errichten. Hartnäckig hält sich bis heute das Gerücht, dass ein innerer okkulter Zirkel der SS immense Versuche unternahm, den Heiligen Gral zu finden und ihn auf die Wewelsburg zu bringen. Gemeinsam mit dem Gral und der Heiligen Lanze sollte dann eine uralte Prophezeiung erfüllt werden, die Deutschland Macht über die ganze Welt verleihen würde. Im zweiten Teil meines Buches werde ich noch einmal genauer auf das Thema Wewelsburg eingehen.
Kommen wir jetzt zum, meines Erachtens wichtigsten, Hinweis auf die deutsche Gralstradition.
Zu finden ist er im Harz, in der schönen Stadt Goslar. Versteckt zwischen Wohnhäusern steht am Rande der Stadt der beeindruckende Klusfelsen. Wenn auch nicht so imposant wie die Externsteine, weisen die beiden Felsformationen doch durchaus Parallelen auf. Wie bei den Externsteinen streiten Experten bis heute, ob es sich beim Klusfelsen um eine frühzeitliche Kultstätte handelt. Fakt ist, dass sich im Klusfelsen ein kleine, in den Stein gehauene Kapelle befindet. Die Kapelle geht auf Agnes, die Frau von Heinrich dem III. zurück. Agnes hatte die St. Peters-Basilika gestiftet, die auf dem nahegelegenen Petersberg errichtet wurde. Da sie schon während der Bauzeit dort beten wollte, wurde die Kapelle im Klusfelsen errichtet. Da es früher üblich war, Kirchenhäuser auf alten heidnischen Kultstätten zu errichten, ist es durchaus denkbar, dass unsere Vorfahren am Klusfelsen ihren jeweiligen Göttern huldigten.
Späte Bekanntheit erhielt die Felsformation durch den Heimatforscher Siegfried Hermerding. Seine Broschüre “Die Magier vom Klus“ kann ich nur jedem empfehlen, der einmal die Kultstätte in Goslar besuchen möchte. Hermerding ist vor allem durch seine Forschung im Bereich der Großsteinskulpturen und Felsreliefs bekannt. Er wurde auch am Klusfelsen fündig und vermeinte unzählige Darstellungen zu sehen. Der Heimatforscher versucht die Felsen sogar mit Atlantis in Verbindung zu bringen und ist der Meinung, dass die Reliefs von menschlicher Hand stammen. Soweit möchte ich nicht gehen. Allerdings habe ich mich persönlich davon überzeugt, dass es am Klusfelsen einige beeindruckende Steinreliefs gibt. Der größte Teil davon ist natürlich gewachsen, bei einigen sieht man aber deutlich, dass von Menschen nachgeholfen wurde. Besonders das Motiv der Gralsträgerin hat es mir angetan. Deutlich zeichnet sich im Gestein die Gestalt einer großgewachsenen Frau ab. Bei genauerem Hinschauen erkennt man, dass die Frau einen kelchartigen Gegenstand in den Händen hält. Und jetzt wird es erst richtig spannend. In Verbindung mit dem Klusfelsen wird von einer Legende berichtet, die eindeutige Bezüge zum Heiligen Gral enthält.
Die Legende “Die Blume vom Petersberg“ erzählt von einem kleinen Mädchen, das oft am Petersberg, nahe des Klusfelsens spielte. Eines Tages pflückte das Mädchen ein blaues Blümchen, um sich damit zu schmücken. Kaum hielt es aber die Blume in den Händen, öffnete sich der Berg und ein Gang tat sich auf, den das Mädchen unbekümmert beschritt. Der Weg führte tief in die Erde hinein und unterwegs traf das Mädchen ein kleines Männlein, das es lächelnd bei der Hand nahm. Das Männlein führte die Kleine direkt in einen großen, hell erleuchteten Saal. An einer langen Tafel saßen in Schweigen gehüllte, ernst dreinblickende Männer mit langen grauen Bärten. Das Mädchen war zunächst etwas verschüchtert, ob der anwesenden alten Männer und dem prunkvollen goldenen und silbernen Geschirrs, mit dem die ganze Tafel bedeckt war. Doch dann fasste das Mädchen neuen Mut und überreichte einem der Alten das blaue Blümchen. Da huschte ein Lächeln über das Gesicht des Beschenkten und auch die anderen Anwesenden schienen sich zu entspannen. Der alte Herr dankte dem Mädchen, indem er ihm einen prunkvollen goldenen Becher reichte. Überwältigt von dem kostbaren Geschenk, presste das Mädchen den Becher an sich und rannte zurück. Als sie wieder auf der Wiese stand, auf der sie die Blume gepflückt hatte, war vom Höhleneingang nichts mehr zu sehen. Der Berg hatte sich wieder geschlossen und so sollte es fortan auch bleiben. Das Mädchen ging mit dem Becher nach Hause, sollte sich aber Zeit seines Lebens an die außergewöhnliche Begebenheit erinnern. Noch als altes Mütterchen erzählte das Mädchen von seinen Erlebnissen am Petersberg und zeigte den Becher. Seit sie in Besitz des Bechers gelangte, war dem Mädchen nur Gutes widerfahren und sie glaubte fest an die magische Macht des Geschenkes der Männer im Petersberg.
Diese schöne Legende weist nun alle wichtigen Merkmale der Gralsgeschichten auf. Wie in den mittelalterlichen Geschichten der reine Ritter Galahad, ist es hier ein unverdorbenes Menschenkind, das es wert ist, den Gral zu erringen. Das unverdorbene Wesen und die Freundlichkeit des Kindes veranlassen die Gralshüter, ihr den Kelch zu überreichen. Einmal in Besitz des magischen Gegenstandes, beschert er dem Mädchen alles Glück im Leben. Die am Klusfelsen dargestellte Gralsträgerin versinnbildlicht das kleine Mädchen aus der Legende, so dass wir davon ausgehen können, dass diese Darstellung von menschlicher Hand geschaffen wurde.biete der Britischen Inseln, Frankreich und Teile des heutigen Spaniens zu beschränken. Dass dem so ist, liegt in der Hauptsache an den Veröffentlichungen einiger Autoren, deren Werke ab dem 12. Jahrhundert ihren Siegeszug in Europa antraten.
Chretie
Wir sehen also, dass sich die Geschichten vom Heiligen Gral auf einen großen Teil der Welt ausgebreitet haben und nicht nur ein lokales Phänomen darstellen. Wir sind Gralsmotiven in ganz Europa begegnet, es finden sich welche in Afrika und sogar bis ins ferne Japan reichte die Kunde von der mächtigsten Reliquie der Menschheit. Ich hätte noch viele Beispiele für die Verbreitung der Gralstradition nennen können, möchte es aber aus Platzgründen bei den erwähnten Beispielen belassen. Meine geschätzten Leser sollten ihre Augen wachsam aufhalten, dann werden ihnen ganz von selbst immer wieder Formen des Heiligen Grals begegnen.

 

 

 

 

Hexen,Teufel und Germanen-Teufelsglaube und Hexenwahn als Folge der Christianisierung

Bohmeier Vererlag 2012

 

Die Assimilierung heidnischer Bräuche durch das Christentum 

Auch wenn es für gläubige Christen hart klingen mag, ist es doch nicht von der Hand zu weisen, dass es sich beim Christentum um eine Religion handelt, welche sich speziell in ihrer Entstehungsphase ungeniert bei anderen Religionen und Kulten bediente. Alles, was dem Ziel diente, aus dem Jerusalemer Urchristentum eine weltweite Religion zu errichten, wurde übernommen. Alles was nicht in diese Anschauung passte, galt gemeinhin als Aberglauben, Ketzerei und später gar als Hexerei.
Die Begriffe Heiden oder Heidentum haben auch heute noch bisweilen einen negativen Klang. Unter den sogenannten Heiden stellt man sich barbarische, gottlose Menschen vor, die erst von der christlichen Kirche auf den rechten Weg geführt wurden. Es war aber beileibe nicht so, dass die Menschen der vorchristlichen Epochen an nichts glaubten. Sie verehrten vielmehr eine große Anzahl an Göttern und nicht nur einen, alles überthronenden Gott wie das Christentum. Vergessen sollten wir ebenfalls nicht, dass Moslems auch heute noch Christen als Heiden betrachten, nur weil sie einer anderen Religion angehören. Es kommt immer auf den jeweiligen Blickwinkel an, was als heidnisch angesehen wird.
Das aufstrebende Christentum bediente sich in verschiedensten Bereichen bei seinen religiösen Vorgängern, um sich einen festeren Stand in der Bevölkerung zu sichern. So wurden unter anderem uralte Feste oder auch Feiertage nur ein wenig abgewandelt und mit christlichen Attributen versehen. Bekanntester Vertreter ist wohl unumstritten das besonders bei Kindern beliebte Osterfest. Nach christlichem Brauch wird am Ostersonntag die Auferstehung des gekreuzigten Heilands gefeiert. In unserer heutigen, mehr oder weniger religiösen Welt, gilt Ostern als Fest des Schenkens. Jedes Kind ist mit den Geschichten vom Osterhasen vertraut, welcher selbstbemalte Ostereier und andere Geschenke im Garten versteckt. Die wissenschaftliche Fachwelt kennt keinen endgültigen Ursprung des eierbringenden Hasen. Grenzwissenschaftliche Forscher sehen jedoch einen Zusammenhang mit der altgermanischen Frühlings- und Fruchtbarkeitsgöttin Eostrae. Der englische Kirchenhistoriker Beda Venerabilis erwähnte schon zu Beginn des 8. Jahrhunderts jene frühgeschichtliche Göttin. An die eintausend Jahre später griff Jacob Grimm das Thema auf, allerdings begegnet uns die germanische Göttin jetzt unter dem Namen Ostara. Traditionell gelten der Hase und das Ei als Symbole der Ostara, was ihre Rolle als Fruchtbarkeitsgöttin unterstreicht. Diese Symbole und die Namensähnlichkeit zwischen Eostrae/Ostara und Ostern stellen nach grenzwissenschaftlicher Vorstellung die ursprüngliche Bedeutung des Osterfestes dar. Anhänger der frühgermanischen Göttin feiern bis heute am 21. März das Ostarafest. Anzumerken sei an dieser Stelle noch, dass die streng wissenschaftlichen Gelehrten jenen Ursprung des Osterfestes kategorisch ablehnen. 

Auch Teile der Bibel wurden viel älteren, vorchristlichen Schriften entlehnt. So beispielsweise auch die alttestamentarische Sintflutlegende. Dort erhielt Noah von seinem Schöpfergott den Auftrag, ein Schiff zu bauen. Damit sollte Noah seine Familie und von jeder Art Tier ein Pärchen in Sicherheit bringen. Gott wollte die Erde mit einer alles Leben verschlingenden Flut überziehen, da er mit dem Verhalten der Mensch unzufrieden war. Einzig allein Noah hatte Wohlwollen unter den strengen Augen Gottes gefunden. Ein fast identisches Szenario begegnet uns im altbabylonischen Gilgamesch-Epos, das etwa 2000 v. Chr. entstand. Das Epos handelt von den mystischen Erlebnissen des Königs Gilgamesch, welcher Mitte des 3. Jahrtausends v. Chr. Herrscher der Stadt Uruk war. Während Gilgamesch durch die Zeit reiste, begegnete er einem gewissen Utanapischtim aus der Stadt Schuruppak. Jener offenbarte sich als Überlebender einer riesigen Flut, welche vor langer Zeit die Erde überzogen hatte. Urheber dieser Flut war der altorientalische Göttervater Elil, welcher dem Göttergeschlecht der Anunnaki entstammte. Verschiedenste Vertreter der prä-astronautischen These, Außerirdische hätten einst die unbevölkerte Erde besucht und die menschliche Rasse geschaffen, sehen in den Anunnaki die Begründer der Menschheit. Ähnlich wie der biblische Schöpfergott waren auch die Anunnaki unzufrieden mit ihrem Ergebnis. 

Das Gilgamesch-Epos zählt seit seiner Entdeckung Mitte des 19. Jahrhunderts zu den bekanntesten altorientalischen Erzählungen. Heute ist uns bekannt, dass jener Teil, welcher die Flutlegende behandelt, noch älter ist. Er wird dem altbabylonischen Schreiber Berosus zugerechnet, welchen ich bereits in meinem Kapitel „Die Verbreitung des Krodo-Mythos“ erwähnt habe. Tausende Jahre später waren es die Schöpfer der alttestamentarischen Schriften, welche die uralte Sintflutlegende wieder aufgriffen und sie in den biblischen Kontext einbrachten.
Ebenfalls im Alten Testament, genauer gesagt im 2. Buch Mose, findet sich die Geburtsgeschichte jenes Mannes, welcher später das Volk der Hebräer aus der ägyptischen Knechtschaft in das gelobte Land Kanaan führen sollte. Laut der Bibel waren ein gewisser Anram und seine Tante(!) Jochebed aus dem Stamme Levi die Eltern von Moses. Kurz vor dessen Geburt hatte der Pharao ein Gesetz verabschiedet, dass alle männlichen Neugeborenen der Hebräer sofort nach der Geburt zu töten seien.

In meinem Buch „Mysterium Heiliger Gral“ habe ich bereits die sogenannten Habiru als möglichen Ursprung des hebräischen Volkes identifiziert. Bei den Habiru handelte es sich um eine Art „Unterschicht“ im alten Ägypten. Es waren in der Mehrzahl Wanderarbeiter, Viehhirten und Tagelöhner mit ihren Familien, welche jener Volksgruppe zugerechnet wurden. Die vornehmeren Schichten des ägyptischen Volkes bezeichneten jedoch auch allerlei zwielichtiges Gesindel als Habiru, so dass jener Begriff sich zu einer Art Schimpfwort entwickelte. Der Pharao hatte wohl Angst, dass sich der ärmste Teil seines Volkes zu rasch vermehren würde und womöglich seine Macht gefährden konnte. Deshalb erließ er jenes drastische Gesetz. Jochebed wurde von Anram schwanger und gebar einen gesunden Knaben, den sie für drei Monate vor der Obrigkeit versteckte. Die Mutter lebte in ständiger Angst um ihr Kind und wusste sich keinen anderen Rat, als den Jungen in ein mit Harz und Pech verklebtes Körbchen aus Schilfrohr zu setzen, um jenes dem Nil zu übergeben. Es war ein glücklicher Umstand, dass just an jenem Tage die Tochter des Pharaos ein Bad im Nil nahm. Sie wurde auf das Körbchen aufmerksam und ließ es von ihren Diener herausfischen. Die junge Dame staunte nicht schlecht, als sie das Kind erblickte, schlussfolgerte allerdings sofort, dass es sich um ein hebräisches Kind handeln musste, da sie ja den Befehl ihres Vaters kannte. Die Familie des Knaben hatte die Szenerie aus einiger Entfernung beobachtet und Jochebed bot sich an, dass Kind zu stillen. Die Tochter des Pharao nahm das Angebot gerne an, ahnte sie doch, dass es sich um die leibliche Mutter handelte. Sie verriet jedoch niemanden etwas davon und ließ den Knaben wie ihr eigenes Kind erziehen. Das Findelkind erhielt den Namen Moses, was so viel wie „aus dem Wasser gezogen“ bedeutete.

Eine durchaus hübsche Geschichte, jedoch ist es erstaunlich, dass Sargon von Akkad ganz ähnliches widerfuhr. Nur wurde dessen Lebensgeschichte weitaus früher niedergeschrieben als der „Pentateuch“, welcher die fünf Bücher Mose enthielt. Sargon regierte um 2300 v. Chr. das Akkadische Reich, welches auf dem Gebiet des heutigen Irak lag. Es handelte sich um eines der bedeutendsten Großreiche der modernen Zivilisation, welches heute in einem Atemzug mit dem Land Sumer und Babylonien genannt wird. Die militärischen und politischen Erfolge, welche Sargon von Akkad während seiner Regierungszeit errang, waren so nachhaltig, dass sich sein Andenken über Hunderte von Jahren hielt und auch Könige anderer Reiche beeinflussten. Beispielsweise Šarrum-ken II., welcher um 700 v. Chr. König des Neuassyrischen Reiches war und sich auch Sargon II. nannte.
Die mythologisch überhöhten Taten des Sargon von Akkad sind in verschiedenen Texten überliefert, welche heute als die Akkadische Sargonlegende bekannt sind. In einem dieser Texte wird auch die außergewöhnliche Geburtsgeschichte des akkadischen Königs beschrieben. Sargon stammte ursprünglich nicht aus einer königlichen Familie. Er war anscheinend das Kind einfacher Leute, womöglich sogar ein „Unfall“, denn in einem überlieferten assyrischen Text heißt es: „Meine Mutter empfing mich; insgeheim gebar sie mich. Sie legte mich in einen Korb aus Schilf, und mit Pech versiegelte sie den Deckel. Sie warf mich in den Fluss, der nicht über mich stieg. Der Fluss trug mich hinauf und brachte mich zu Akki; jenem, der das Wasser schöpft.“ 

Laut meinen Nachforschungen war jener Akki eine Art Gärtner am Hofe König Ur-Zababa von Kisch. Akki zog das Findelkind groß und Sargon trat später selbst in den Dienst des Herrscherhauses. Er brachte es bis zu Mundschenk des Königs. Den überlieferten Geschichten nach, führte Sargon einen Staatsstreich aus und machte sich selbst zum König. Obwohl er auf eher unkonventionelle Art zur Herrscherwürde kam, gilt Sargon von Akkad bis heute als einer der überragendsten Könige der frühen Menschheitsgeschichte. Für uns ist er allerdings hauptsächlich auf Grund seiner Geburtsgeschichte von Bedeutung.
Ein ganz ähnliches Szenario kennen wir auch aus der indischen Mythologie. Im Heldenepos „Mahabharata“ begegnet uns Kunti, die Frau Königs Pandu, welcher dem Herrschergeschlecht der Bharatas entstammte. Jene spätere Königin setzte in ihrer Jugend ebenfalls ein ungewolltes Kind aus. Das „Mahabharata“ ist der Grundpfeiler der indischen Mythologie. Über seine Entstehungszeit ist sich die Fachwelt uneins. Datierungen reichen von 400 v. Chr. bis 400 n. Chr., wobei man sich wiederum einig ist, dass der Inhalt des Epos auf weit ältere Texte zurückgeht.
Jene Kunti gab sich in einer Laune jugendlicher Unbekümmertheit dem Sonnengott Vishnu hin, worauf sie schwanger wurde und einen Knaben namens Karna empfing. Mit Hilfe eines Wunder wirkenden Mantra, welches sie einst von einem weisen Mann erhielt, gelang es Kunti, trotz der Geburt ihre Jungfräulichkeit zu behalten. Sie legte das ungewollte Kind in einen abgedichteten Korb und setzte diesen in einen Fluss in der Hoffnung, dass sich jemand des Kindes annehme. Und tatsächlich fischt der Wagenlenker Adhiratha das Kind aus dem Fluss und zog es mit seiner Frau auf. Dank seiner göttlichen Herkunft wurde Karna später einer der berühmtesten Helden der indischen Mythologie.
Die Geschichte von Kunti und der jungfräulichen Geburt ihres Sohnes kann durchaus auch als Quelle für die Evangelienschreiber des Neuen Testaments gedient haben. Auch Maria, die Mutter von Jesus, war nach der Geburt angeblich noch jungfräulich. Verschiedene Bibelexperten gehen heute allerdings davon aus, dass es sich beim Szenario von Jesus Geburt um einen Übersetzungsfehler handelt. In den ursprünglichen Texten hieß es wohl, dass Maria bei Jesus' Geburt noch eine junge Frau war, keine Jungfrau.

Es scheint so, als hätten sich die Verfasser der Bibeltexte im großen Stil bei den Mythen und Legenden weitaus älterer Völker bedient. An dieser Stelle möchte ich mich etwas weiter „aus dem Fenster lehnen“ und behaupten, dass die Geschichte von Jesus als Sohn Gottes ebenfalls aus einem anderen Kulturkreis entlehnt ist.
Im Jahr 323 v. Chr. eroberte Alexander der Große Palästina, worauf das jüdische Volk jahrhundertelang unter dem Einfluss der hellenistischen Kultur geriet. Obwohl Alexanders Herkunft hinlänglich bekannt war, verehrten ihn seine Anhänger als Sohn des Göttervaters Zeus. Ursache dieser Verehrung war Alexanders Besuch des „Orakels von Sima“ im heutigen Ägypten. Jenes Orakel offenbarte Alexander, dass er der Sohn des altägyptischen Gottes Amun sei. Ob es sich hierbei nur um eine Legende handelt oder die das Orakel ausführenden Priester zu dieser Aussage genötigt wurden, wissen wir nicht. Fakt ist, dass die angebliche Abstammung von Amun Alexander die Legitimation als Herrscher über Ägypten verschaffte. Da Amun bei den Ägyptern in etwa den gleichen Stellenwert genoss wie der griechische Göttervater bei den Hellenen, wurde es üblich, Alexander den Großen als „Sohn des Zeus“ zu bezeichnen. Die Messiasvorstellung des jüdischen Volkes vermischte sich möglicherweise mit dem hellenistischen Glauben an die göttliche Abstammung von Alexander dem Großen. Aus dieser Vermischung entstand dann der auf Erden wandelnde Sohn Gottes. Vielleicht machte sich Jesus diesen Glauben sogar bewusst zunutze und präsentierte sich dem Volk als eben dieser Sohn des Schöpfergottes. Die Evangelienschreiber taten dann ihr Übriges, um Jesus göttliche Macht unter dem Volk zu verbreiten. Allerdings handelt es sich hierbei nur um meine persönlichen Vermutungen, welche nicht als geschichtliche Tatsachen verstanden werden sollten.
Auch bei dem von Seiten der Kirche geschürten Hexenwahn in Europa, bediente man sich gezielt des vorchristlichen Volksaberglaubens. Zauberkundige, schadenstiftende weibliche Wesen, welche die Männer verführten und durch die Lüfte fliegen konnten, kannten die Menschen schon lange vor Entstehen der christlichen Religion. Der tief im Volk verwurzelte Aberglaube an dämonische Wesen wurde zunächst von der Kirche bekämpft, fand aber später in den Hexenprozessen seine Verwendung. Heidnische Geistergestalten schienen dem Klerus plötzlich nicht mehr irreal, sondern wurden mit den neuen „Erzfeinden“ der Kirche, den Hexen, gleichgesetzt.
Betrachten wir nun einige frühzeitliche „Schreckgespenster“ etwas genauer und schauen, ob sich tatsächlich eine Verbindung zu den im Mittelalter verfolgten und ermordeten Frauen herstellen lässt.
Im osteuropäischen Raum waren die Legenden von den Strigen sehr beliebt, daher auch die polnische Bezeichnung „Strzyga“. Doch auch die Römer kannten jenes unheimliche Vogelwesen, welches des Nachts Kindern ihre mit vergifteter Milch gefüllten Brüste reichten, um diese zu töten. Den toten Kindern saugten die Strigen dann Blut und Eingeweide aus, um sich zu nähren. Doch auch Erwachsene wurden von jenen Nachtwesen heimgesucht. Konnte ein Mann nicht mehr „seinen Mann stehen“, war also impotent, hieß es sogleich, eine Strige hätte ihm heimlich Blut ausgesaugt. Auf Grund ihres Blutdurstes wurden die Strigen in einigen Teilen Europas auch mit Vampiren in Verbindung gebracht. Der Ursprung jener vogelartigen Wesen wurde verschiedentlich erklärt. So hieß es, dass Strigen zauberkundige Frauen waren, welche sich mit einer speziellen Salbe einrieben, um sich in jene „fliegenden Bestien“ zu verwandeln. Eine andere Erklärung besagte, dass es sich dabei um ganz normale Frauen handelte, die durch einen Fluch verwandelt wurden. Die Strigen waren auf Grund ihrer Verwandlung so mit Hass auf die Menschen erfüllt, dass sie deren liebstes, ihre Kinder, töteten. Der Einzug der Strigenlegenden in die Anschuldigungen der Hexenprozesse ist hier klar erkennbar. Strigen verwendeten Zaubersalben, um zu fliegen und hatten es speziell auf Kinder abgesehen. Ähnliches taten angeblich auch die mittelalterlichen Hexen. Jene töteten Kinder oder gruben Kinderleichen auf dem Friedhof aus, um die sogenannte Flugsalbe herzustellen. Hexen raubten auch immer wieder Kinder, welche dann beim Hexensabbat verspeist wurden oder mit dem Teufel Unzucht treiben mussten. 

Ebenso wie vor den Strigen fürchteten sich die Menschen des frühen Mittelalters vor den furchteinflößenden Lamien. Diese hatten ihren Ursprung in der griechischen Mythologie. Lamia war eine arabische Königin, mit welcher der griechische Göttervater Zeus ein Kind zeugte. Dessen Frau Hera war darüber so empört, dass sie jenes Kind tötete. Es heißt, dass Lamia über den Verlust ganz hässlich wurde und eine erschreckende Gestalt annahm. Sie trug seither ein medusenhaftes Schlangenhaupt und den Unterleib einer Schlange. Um sich für den Tod ihres geliebten Kindes zu rächen, raubte und tötete sie des Nachts die Kinder anderer Mütter. Lamia war in der Antike ein beliebtes Schreckgespenst, mit dem Mütter und Kindermädchen unartigen Kindern Angst machten. Der frühmittelalterliche Aberglaube kannte Lamien als verführerische, weibliche Wesen, die allerdings einen Pferdefuß hatten. Sie waren ständig auf der Suche nach frischem Blut und bezirzten vor allem junge Männer mit ihrer Schönheit. Lamien konnten zwar nicht sprechen, sollen die Männer jedoch mit sirenenhaften Tönen in ihren Bann gezogen haben. Diese dämonischen Weiber saugten auch gerne kleinen Kindern das Blut aus, welches sie besonders schmackhaft fanden. Das Töten von jungen Männern und Kindern war wiederum der Grund, den Aberglauben an die Lamien in den mittelalterlichen Hexenglauben einfließen zu lassen. Dass jene unheimlichen Weiber angeblich einen Pferdefuß hatten, brachte sie auch in unmittelbare Nähe des Teufels, der in vielen Legenden meist in Verkleidung auftrat und nur an seinem Pferdefuß zu erkennen war.

Eine amüsante Geschichte, auf die ich während meiner Recherchen zu den Lamien stieß, möchte ich meinen geneigten Lesern nicht vorenthalten. Im Februar 1852 verfasste Lord Alfred Faversham einen Brief an seinen Freund C. Penforth Wright. Beide Männer waren Gründungsmitglieder der Kryptozoologischen Gesellschaft London. In jenem Brief berichtete der gute Lord Faversham seinem Freund, dass es Lamien tatsächlich gäbe. Die größte Population lebe in der Sahara, wo einsame Reisende ihre Opfer würden. Es waren also wohl nicht die lebensfeindlichen Bedingungen der Wüste, die so vielen Menschen das Leben kosteten, sondern jene unheimlichen Weiber. Dem Brief war eine Skizze von eben diesen Wesen beigelegt. Wenn sich die Kryptozoologie inzwischen zwar zu einem anerkannten wissenschaftlichen Nebenzweig entwickelt hat, kann man sich aber angesichts ihrer Anfänge wohl kaum ein wohlwollendes Schmunzeln verkneifen.
Es waren jedoch nicht nur dämonische Nachtgestalten, welche in das mittelalterliche Hexenbild eingewoben wurden. Auch die „guten Geister” missbrauchte der Klerus, um das abschreckende Bild der „bösen Hexe” zu formen. Einige der mystischen Frauengestalten des vorchristlichen Europas möchte ich meinen Lesern hier vorstellen.
Jeder von uns kennt wohl das Märchen von „Frau Holle”, welches zur Märchensammlung der Gebrüder Grimm gehört. Eher weniger bekannt ist, dass sich Frau Holle ursprünglich aus der heidnischen Sagengestalt der Holda entwickelte. Wenn Holda, wie auch die im Anschluss beschriebenen mystischen Frauen, nicht direkt eine göttlich verehrte Gestalt war, erfüllte sie bei den Völkern im heutigen hessisch-thüringischen Raum doch die Aufgabe einer Fruchtbarkeitsgöttin. Sie galt als Beschützerin der Natur sowie der Landwirtschaft und wachte über traditionell von Frauen ausgeführte Arbeiten wie den Flachsanbau und das Spinnen. In den Rauhnächten soll Holda auch an der „Wilden Jagd” teilgenommen haben, jenem unheimlichen Geisterzug am Nachthimmel, der die Menschen in Angst und Schrecken versetzte. In ihrer Funktion als Teilnehmerin der „Wilden Jagd” zeigte sich auch das belohnende wie strafende Wesen der Holda, was wir auch aus dem Märchen „Frau Holle” kennen. Fleißigen Frauen erschien sie als wunderschöne Dame im weißen Kleid, welche Geschenke brachte. Die eher weniger arbeitsamen Frauen erschreckte Holda als altes, hässliches Weib mit Buckel und riesiger Nase. Als solch hässliche Wesen stellten sich die Menschen im Mittelalter auch die Hexen vor. Eine direktere Verbindung zwischen Holda und dem späteren Hexenwahn stellt jedoch der Begriff „Unholda” dar, welcher allerlei dämonische, zauberkundige Weiber bezeichnete, die dann im Zuge der beginnenden Verfolgung unter dem Begriff Hexe zusammengefasst wurden.

Im Zusammenhang mit Holda wird auch gerne eine Göttin namens Jecha erwähnt, welche speziell beim Volk der Thüringer große Verehrung genoss. Da Holda auch als Beschützerin von Wald und Wiesen galt, war Jecha so eine Art „Kollegin”, da sie von den Thüringern als Göttin der Jagd verehrt worden sein soll. Kultstättenforscher vermuten das Heiligtum der Jecha auf dem Frauenberg bei Sondershausen. Ein möglicher Grund dafür scheint das alte Dorf Jechaburg, heute ein Ortsteil von Sondershausen. Eine mögliche vorchristliche Kultstätte auf dem Frauenberg ist angesichts der Bedeutung, welche der Klerus dem Berg beimaß, allerdings nicht von der Hand zu weisen. Bei Ausgrabungen stieß man auf die Reste einer Kapelle, deren Errichtung dem bekannten „Heidenbekehrer” Bonifatius zugeschrieben wird. Örtliche Legenden berichten, dass Bonifatius das Heiligtum der Jecha zerstören ließ und die Bewohner der Gegend mit Gewalt zur neuen Religion bekehrte. Da bekanntermaßen heidnische Kultplätze mit Vorliebe von der Kirche zu eigenen Zwecken missbraucht wurden, scheint eine religiöse Nutzung des Frauenberges in altgermanischer Zeit durchaus denkbar.
Die moderne Geschichtsforschung rechnet Jecha zu den sogenannten „zweifelhaften Göttern”, deren historische Bedeutung sich nicht zweifelsfrei nachweisen lässt. Für unsere Suche nach den Ursprüngen des mittelalterlichen Hexenglaubens erscheint sie mir doch sehr hilfreich.
Im alpenländischen Raum genoss eine der Holda ähnliche Gestalt Verehrung, welche ebenfalls zur Abrundung des klerikalen Hexenbildes beitrug. Frau Perchta bestrafte ebenfalls Faulheit und beschenkte die fleißigen Menschen. Für besonders arbeitsame Mägde soll sie beispielsweise Eimer voller Geldmünzen hinterlassen haben. Faule und „gefräßige” Zeitgenossen bestrafte Frau Perchta mit Alpträumen bis hin zum Aufschlitzen des Bauches. Ebenso wie Holda war Frau Perchta speziell in den Rauhnächte aktiv und konnte durch die Lüfte reisen. Sie wurde fast durchweg als alte Frau mit auffallend großer Nase dargestellt. Eine alte Frau, welche durch die Luft fliegen konnte und eine große Nase hatte, war natürlich prädestiniert dafür, in den Hexenglauben Einzug zu halten. Alpträume schicken und Bäuche aufschlitzen wurde wohl als Schadenszauber „verbucht”. Frau Perchta ist erstaunlicherweise bis heute nicht in Vergessenheit geraten. In Bayern und Österreich wird ihre Gestalt bei den Perchtenläufen, einem Umzug zum Austreiben des Winters, immer noch dargestellt.
Ähnliche weibliche Sagengestalten wie Holda, Jecha und Frau Perchta, kannte man im gesamten vorchristlichen Europa. Ich schließe mich der Ansicht der modernen Geschichtswissenschaft an, dass all jene Frauengestalten ihren Ursprung in der römischen Mond- und Fruchtbarkeitsgöttin Diana haben. Diana galt auch als Beschützerin des Waldes und der Jagd. Sie blieb Zeit ihres Lebens unvermählt und soll sich niemals einem Mann hingegeben haben. Diana war so etwas wie der Prototyp der unabhängigen Frau, welche so gar nicht in das Weltbild der Kirche passte. Grund genug für die „Anheizer” des mittelalterlichen Hexenwahns, sie als Hexengöttin oder gar als Frau des Teufels darzustellen. 

Die römische Diana weist durchaus Parallelen mit den griechischen Göttinnen Artemis und Hekate auf. Alle diese „göttlichen Damen” haben ihren Ursprung wohl in der „Magna Mater”, der lebenspendenden Muttergottheit, deren Verehrung sich bis in die Jungsteinzeit zurückverfolgen lässt. Weibliche Göttinnen genossen bei unseren frühen Vorfahren traditionell große Verehrung, da sie auch über den Erhalt der menschlichen Rasse wachten. Erst mit dem Erstarken des patriarchalischen Systems der christlichen Kirche wurden jene weiblichen Götter zu Gunsten des monotheistischen Schöpfergottes dämonisiert und „verteufelt”.
Es war gängige Praxis der Kirche, heidnische Kultplätze und Versammlungsorte, wie etwa die germanischen Thingplätze zu übernehmen und diese für ihre Zwecke zu nutzen. Oft wurden jene Plätze mit den steinernen Gotteshäusern der Christen überbaut. Die Kirche wollte es ihren neuen „Schäfchen” so leichter machen, sich an die neue Religion zu gewöhnen. Handelte es sich um Örtlichkeiten, welche dem Klerus unpraktisch erschienen oder eine Bebauung nicht möglich war, wurden jene heidnischen Kultstätten zum Teil mit christlicher Symbolik verziert. So versuchte der Klerus, die alten Religionen aus dem Gedächtnis der kommenden Generationen zu streichen. Es war Gregor I., von 590 bis 604 Papst der römischen Kirche, welcher im Jahre 601 seinen Missionaren den offiziellen Auftrag gab, heidnische Kultplätze nicht mehr zu zerstören. Vielmehr sollten diese durch Besprengen mit Weihwasser geweiht und mit christlichen Symbolen versehen werden. Später ging man dazu über, an jenen Stellen Kirchen und Kapellen zu errichten.
Nach welchen speziellen Gründen und Merkmalen sich unsere Vorfahren ihre religiösen Kultstätten auswählten, liegt heute weitestgehend im Dunkel der Geschichte verborgen. Die immer weiter fortschreitende Spiritualisierung der menschlichen Vergangenheit treibt gerade beim Thema vorchristlicher Kultplätze immer absurdere Blüten. Angebliche Kraftlinien, nebulöse Erdstrahlungen oder gar kosmische Einflüsse finden immer wieder Erwähnung in esoterischen Veröffentlichungen. Natürlich möchte ich nicht bestreiten, dass es Dinge zwischen Himmel und Erde gibt, die unser Geist nur schwer begreifen kann und in unserer übertechnisierten Welt kaum noch beachtet werden. Es ist allerdings eine Gratwanderung, zu entscheiden, was spiritueller „Firlefanz” ist und was wir dagegen in unsere Überlegungen mit einbeziehen können, um das religiöse Weltbild unserer Vorväter verstehen zu können. Ich selbst bin der Ansicht, dass die Menschen der Frühzeit sich ihre heiligen Plätze nach ganz speziellen Gesichtspunkten aussuchten. Sicherlich wurden wohl in erster Linie natürliche Gegebenheiten bevorzugt, wie etwa außergewöhnliche Felsformationen oder auch Waldstücke, die heute als Heilige Haine bekannt sind. Orte, welche eine gewisse magische Ausstrahlung hatten bzw. Ruhe und Geborgenheit vermittelten, wurden mit Sicherheit bevorzugt. Obwohl ich mich selbst für einen eher rational denkenden Menschen halte, habe auch ich an verschiedenen frühzeitlichen Kultplätzen eine gewisse mystische Aura verspürt. Vor allem am Klusfelsen in Goslar, über den ich in diesem Kapitel noch ausführlich berichten werde, habe ich bei jedem Besuch eine Art Gefühl von „heimkommen”.
Versuchen Sie es doch selbst einmal, meine lieben Leser. Besuchen Sie eine der frühzeitlichen Anlagen und lassen Sie diese auf sich wirken. Es ist allerdings nicht immer leicht, seinen von der heutigen hektischen Welt geprägten Geist in Einklang mit der Stimmung zu bringen, welche jene Orte vermitteln, die unseren Vorfahren als rituelle Stätten dienten.
Ein für mich in besonderer Erinnerung gebliebenes Erlebnis möchte ich meinen geneigten Lesern an dieser Stelle nicht vorenthalten. Allerdings hat es nichts mit der europäischen Vergangenheit zu tun, denn die Begebenheit spielte sich im schönen Land Türkei ab. Der eigentliche Ort ist aber eher nebensächlich, denn alle Völker, die bisher unseren Erdball bewohnten, suchten sich ihre heiligen Stätten wohl nach ähnlichen Gesichtspunkten aus. Das Erlebnis, von dem ich berichten möchte, spielte sich auch nicht direkt auf einem religiösen Kultplatz ab, sondern auf einem uralten Friedhof, einer sogenannten Nekropole. Aber auch Friedhöfe wurden von den Menschen der Frühzeit nach ähnlichen Merkmalen ausgewählt wie die Kultstätten. Für unsere Hochzeitsreise im Jahr 2003 hatten sich meine Frau und ich eine Schiffsreise in der Türkei ausgesucht. Ausgangspunkt der Reise war der Hafen von Antalya, von wo wir dann eine Woche mit einer kleinen Reisegruppe sowie Kapitän und Bootsmann an der Türkischen Riviera „entlang schipperten”. An einem sonnigen Nachmittag ankerten wir bei dem kleinen Küstenörtchen Simena, welches von einer imposanten Burgruine überragt wird. Wir gingen an Land und machten uns an den Aufstieg zur Ruine. Allerdings kein leichtes Unterfangen, denn der schmale Weg war gesäumt von älteren Frauen, welche uns lautstark verschiedenste Handarbeiten zum Kauf anboten. Jede der Frauen wollte ihre Konkurrentinnen an Lautstärke überbieten, so dass uns während des gesamten Aufstiegs eine wahrhaft nervende Geräuschkulisse begleitete. Die Burgruine und speziell die Aussicht aus luftiger Höhe entschädigte uns jedoch für den vorangegangenen Lärm. Während meine Reisebegleiter hauptsächlich Augen für das wundervoll azurblaue Mittelmeer hatten, fielen mir mehrere, für diese Region typischen steinernen Sarkophage auf, welche in einem Wäldchen nahe der Burg standen. Ich machte meine Frau darauf aufmerksam und wir begaben uns zu dem Wäldchen. Was zunächst nur nach einigen wenigen Grabstätten aussah, entpuppte sich als weitläufige Nekropole. Eine Vielzahl der gruftartigen Steinsärge bedeckte die Flanke des Berges, vom nahegelegenen Meer waren keine Geräusche zu vernehmen. Eine erhabene Stille lag über der uralten Nekropole. Mit wenigen Schritten erreichten wir wieder den Rand des Dorfes und befanden uns im allgemeinen Getümmel, verbunden mit der dazugehörigen Geräuschkulisse. Ich machte noch einen Versuch und ging die wenigen Schritte zurück zum Rand des Friedhofs. Sofort befand ich mich wieder von vollständiger Ruhe umgeben. Die Menschen der Frühzeit, welche diesen Friedhof errichteten, hatten wahrlich den richtigen Platz ausgesucht, um ihre Toten in Frieden ruhen zu lassen. 

Wie „verstaubte” Geschichtswissenschaftler versuchen, die von ihnen belächelte Kultstättenforschung ins Abseits zu drängen, zeigt sich besonders drastisch am Beispiel des 971 Meter hohen Wurmbergs bei Braunlage im Harz. Schon der Name Wurmberg ist eine Verunglimpfung der Traditionen unserer Vorväter. Der Kultstättenforscher Siegfried Hermerding und seine Mitstreiter fanden heraus, dass der Berg in früherer Zeit den wohlklingenden Namen Drachenberg trug. Drachen spielen in der nordisch-germanischen Mythologie eine nicht zu verachtende Rolle. Denken wir nur an den Drachen Nidhögg. Jener war ein fürchterliches Untier, dass unter den Wurzeln des Weltenbaumes Yggdrasil hauste, welcher nach der Vorstellung unserer Vorfahren das gesamte Universum verkörperte. Wenn Nidhögg nicht gerade Leichen fraß, stritt er sich mit dem Adler und dem Habicht, welche in der Krone des Baumes lebten. Der Drache liebte es auch, an den Wurzeln des Weltenbaumes zu knabbern. Vermutlich wollte er damit dem Universum Schaden zufügen.
Noch bekannter als Nidhögg ist der Drache Fafnir. Dieser war einst als Mensch geboren und Sohn eines Zauberers. Aus Habgier erschlug Fafnir seinen Vater Hreidmar. Seine Gier nach immer mehr Reichtümern wuchs ins Unermessliche. In einer Höhle bewachte Fafnir eifersüchtig seine zusammengerafften Schätze und verwandelte sich mit der Zeit in einen Drachen, um seinen Besitz besser vor Dieben schützen zu können. Der Drache Fafnir begegnet uns auch im Nibelungenlied, der wohl bekanntesten Sage der Deutschen. Dort ist es der strahlende Held Siegfried, welcher den Drachen tötet und so zu unsterblichem Ruhm gelangt.
Ab dem 13. Jahrhundert wurde erstmals statt des erhaben klingenden Namens Drachenberg, der Begriff Wormberch verwendet. Warum dies geschah, lässt sich leicht erklären. In jener Zeit hatte sich die christliche Religion so fest in Europa etabliert, dass der Klerus mit Nachdruck daran ging, auch die letzten Reste der alten heidnischen Religionen aus der Erinnerung der Menschen zu löschen. Nichts sollte mehr an die einstmals mächtigen Götter und die Stätten ihrer Verehrung erinnern. Auch nicht der Drachenberg, einstmals mit Sicherheit eine bedeutende Kultstätte unserer Ahnen. Auch wenn die Kirche die Bedeutung des ehemaligen Drachenberges zu verschleiern versuchte, blieb das Andenken an die einst mächtige Tempelanlage auf dem heutigen Wurmberg im Volke verwurzelt. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts erschienen immer wieder Bücher über die Geschichte des Harzes, welche auch von einer bedeutenden Kultanlage auf dem Wurmberg berichteten. Bekanntestes Beispiel sind hier die „Harzsagen”, gesammelt und herausgegeben von Heinrich Pröhle, einem Schüler Jacob Grimms. Von 1949 bis 1956 führte der Archäologe Dr. Walter Nowothnig mehrere Grabungen auf dem Gipfel des Wurmberges durch, die sensationelle Ergebnisse lieferten. Dr. Nowothnig entdeckte tatsächlich die Überreste einer gewaltigen Tempelanlage, die zweifellos für kultische Zwecke verwendet wurde. Die archäologische Fachwelt der damaligen Zeit war begeistert und überbot sich mit der Datierung der Anlage. Erst wurde von einer Grabanlage aus der Bronzezeit gesprochen, dann wurden daraus die Reste einer Kirche aus dem 8. Jahrhundert bis man sich schließlich auf eine keltische Tempelanlage einigte, welche auf den Beginn der Zeitrechnung datiert wurde. Letzteres würde sich mit den überlieferten Geschichten des Volkes decken und wird auch heute noch von den meisten Heimatforschern angenommen. Nicht so die Wissenschaft. Wenn etwas nicht in deren Weltbild passt, muss natürlich das Gegenteil bewiesen werden. So auch bei der Tempelanlage auf dem Wurmberg. Von 1999 bis 2000 wurden wiederum archäologische Untersuchungen auf dem Plateau des Wurmbergs vorgenommen, welche zu einem verblüffenden Ergebnis führten. Auf einmal war die frühzeitliche Steinanlage das Fundament einer Hütte, die erst im Jahre 1820 von einem Förster namens Daubert errichtet wurde. Jener Förster soll auf dem Wurmberg mit Familie und Freunden rauschende Feste gefeiert haben. Jene Festlichkeiten kamen den Bewohnern der umliegenden Ortschaften angeblich wie kultische Zeremonien vor, woraus die Legenden von uraltem heidnischem Brauchtum auf dem Berg entstanden. Unseriöser kann Forschung wohl kaum sein!
Auf den Resten jener angeblichen Hütte wurde siebzig Jahre später ein Holzturm für trigonometrische Messungen errichtet. Die kreisrunde Steinformation soll dabei als Stütze für den Turm gedient haben. Gegen 1930 wurde der Turm wieder abgerissen und es blieben nur die Steine liegen, welche dann gerade mal zwanzig Jahre später von dem Archäologen Dr. Nowothnig angeblich völlig falsch als frühzeitliche Tempelanlage deklariert wurden. Es ist schon sehr erstaunlich, dass sich 1949 niemand mehr an den Turm bzw. die vorher dort stehende Hütte erinnert haben soll. Man könnte jetzt dagegenhalten, dass sich so kurz nach dem verheerenden 2. Weltkrieg keiner der Anwohner sonderlich für archäologische Ausgrabungen interessiert hat. Geradezu lächerlich ist allerdings die Behauptung, dass sich ein studierter Mann wie Dr. Nowothnig derart in der Datierung seiner Funde geirrt haben soll. Dr. Nowothnig entdeckte ebenfalls die Reste eines befestigten Weges im Bereich der Tempelanlage. Verlängert man diesen Weg, kommt man zu einer Treppenanlage, die aus dem Tal auf den Wurmberg führt. Im Volksmund wurde die Treppenanlage früher „Heidentreppe” genannt, was später in „Hexentreppe” geändert wurde. Ein weiteres Beispiel, wie die Überlieferungen unserer Vorfahren später verunglimpft wurden. Die „Heidentreppe” ist ein beeindruckendes Relikt der frühzeitlichen Besiedlung im Bereich des Harzes. Vermutlich wurden natürliche Gegebenheiten benutzt, um die Treppenanlage zu errichten. Wozu sollten aber die früheren Bewohner jener Gegend so eine Treppe auf den Wurmberg errichtet haben? Sie werden wohl sicherlich nicht des Öfteren wegen der schönen Aussicht auf den Berg gestiegen sein. Die Steinanlage mit der dazugehörigen „Heidentreppe” lässt eine religiöse Nutzung des Wurmberges durchaus möglich erscheinen. Doch auch für die Entstehung der fälschlicherweise als „Hexentreppe” bezeichneten Stufenanlage hat die moderne Wissenschaft eine Erklärung bereit. Jene Treppe soll ebenfalls von Förster Daubert und seinen Freunden errichtet worden sein. Grund für diese Behauptung ist ein Hosenknopf englischen Fabrikats, der angeblich unter einem Stein der Treppe gefunden wurde. Datiert wurde der Knopf auf etwa 1800 und schon stand der wackere Förster auch als Erbauer der Treppe fest. Jenen Knopf kann aber jeder beliebige Besucher des Wurmberges verloren haben. Ganz so sicher scheinen sich die „Ausgräber” von 1999/2000 wohl auch nicht gewesen zu sein, denn der beteiligte Dr. Michael Geschwinde gestand der auf den Wurmberg führenden Treppe im Rahmen eines Vortrages in Wolfenbüttel ein „mystisches Geheimnis” zu. Hört, hört!

Auch auf der Tafel, welche am Rande der Steinanlage steht, kann der Besucher einige vorsichtige Annäherungen an eine mögliche frühzeitliche Nutzung des Bergplateaus ausmachen. So werden noch einige weitere Steinsetzungen im Bereich des Wurmbergs erwähnt, die sich bisher einer zeitlichen Bestimmung entzogen haben. Seit 2003 wird das Wurmbergplateau auf Grund seiner Spuren frühzeitlicher menschlicher Nutzung sogar als archäologisches Schutzgebiet geführt. Die Existenz einer heidnischen Tempelanlage wird jedoch weiterhin vehement bestritten.
Wenn der Kirche zwar keine direkte Beteiligung an der Verschleierung der Geschichte des Wurmberges angelastet werden kann, ist es jedoch im Sinne des Klerus, wenn das Bestehen heidnischer Kultstätten durch die Wissenschaft angezweifelt wird.
Ein anschauliches Beispiel für eine nachweisliche Übernahme einer vorchristlichen Stätte durch die Kirche bietet der Klusfelsen in Goslar mit dem dazugehörigen Petersberg. Am Rande von Goslar, nahe der Bahnlinie, liegt hinter einigen Einfamilienhäusern und einer Seniorenresidenz versteckt der beeindruckende Klusfelsen, welcher auch unter der Kurzbezeichnung Klus bekannt ist. In seiner majestätischen Pracht muss er wohl auf unsere frühen Vorfahren einen magischen, ja heiligen Eindruck gemacht haben, so dass sie ihn zweifelsohne als religiöse Kultstätte nutzten. Menschliche Bearbeitungsspuren am und auch im Felsen legen Zeugnis davon ab. Heute ist der Klus vor allem wegen seiner Felsreliefs bekannt. Speziell für Anhänger der grenzwissenschaftlichen Geschichtsforschung stellt die Felsformation geradezu ein „Paradies” dar. Besondere Verdienste um den Klusfelsen hat sich der Kultstättenforscher Dr. Siegfried Hermerding gemacht. In der erstmals 1987 herausgegebenen Broschüre „Die Magier vom Klus” stellt er die Anlage und ihre Geschichte ausführlich vor. Mit Hilfe Siegfried Hermerdings Ausführungen lassen sich tatsächlich eine Vielzahl von verschiedenen Felsenreliefs erkennen. Ein Großteil davon ist natürlich gewachsen oder entstand durch altersbedingte Verwitterung. An anderen Stellen lassen sich jedoch Bearbeitungsspuren erkennen, wie beispielsweise die „Gralsträgerin”, die eindeutig von Menschenhand geschaffen wurde.
Wann und von wem der Klusfelsen erstmalig für religiöse Zwecke verwendet wurde, können wir heute nicht mit Bestimmtheit sagen. Siegfried Hermerding ist der Ansicht, dass es nicht erst unsere germanischen Vorfahren waren. Er spricht von „atlantischen” Zeiten, in denen bereits Menschen ihren Göttern am Klus huldigten. Der Kultstättenforscher nimmt hier eindeutig Bezug auf die Ausführungen von Ernst Beta, dessen 1913 erschienenes Buch „Die Erde und unsere Ahnen” auch im Literaturverzeichnis von Hermerdings Broschüre erwähnt wird. Auf Ernst Betas ziemlich verworrenes, für grenzwissenschaftliche Nachforschungen aber nicht uninteressantes Werk werde ich an späterer Stelle noch eingehen.
Die im Harz siedelnden germanischen Stämme werden aber zweifelsohne den Klusfelsen für religiöse Zwecke genutzt haben. Im oberen Teil des Felsens befanden sich mehrere vermutliche Kulträume, welche seit Mitte des 12. Jahrhunderts als Einsiedlerklause verwendet wurden. Daher auch der Name Klusfelsen. Einer der Kulträume beherbergt heute eine christliche Höhlenkapelle mit Altar und Marienstatue. Sitzgelegenheiten runden das Bild ab, so dass die Kluskapelle ohne weiteres für Gottesdienste oder andere christliche Zeremonien genutzt werden kann. An der Wand der Kapelle befindet sich ein heute zugemauerter Durchgang, welcher zu den anderen Räumen führte. Rechts neben dem Zugang zur Kapelle ist eine ebenfalls zugemauerte Öffnung zu erkennen. In seiner 1982 veröffentlichen Broschüre „Die Kluskapelle in Goslar” schreibt der Forscher Günther Machalett folgendes: „Gleich rechts neben der Tür, nur wenig über dem Boden sehen wir die zugemauerte Lücke des Sonnenloches. Schräg durch den Raum, dieser Lücke gegenüber sehen wir eine Wandfläche, die ebenfalls vermauert ist.” Möglicherweise wurde hier der bei den Germanen beliebte Sonnenkult betrieben. Die beiden heute vermauerten Öffnungen in der Kluskapelle könnten bei den Sonnenwendfeiern Verwendung gefunden haben. Die Öffnungen haben unsere Vorfahren wohl einstmals so geschaffen, dass bei den Sonnenwendfeiern zu bestimmten Tageszeiten die Sonne hindurch strahlte. Die heutige Kluskapelle war also möglicherweise eine Art Sonnenkammer, wie wir sie auch von den Externsteinen kennen. Dort gibt es einen „Sacellum” genannten Raum, mit steinernem Podest und kreisrundem „Sonnenloch”. Das „Sacellum” wurde später zu einer christlichen Kapelle ausgebaut. Genau das Gleiche geschah mit der „Sonnenkammer” am Klusfelsen, welche heute die Kapelle beherbergt. Wir haben hier erneut zwei schöne Beispiele, wie die Kirche Kultstätten unserer heidnischen Vorfahren veränderte und für ihre Zwecke nutzte.

Durch den schriftlichen Nachlass von römischen Schreibern wie Tacitus oder Cassidor sowie den Aufzeichnungen Reisender aus der Frühzeit, können wir uns heute ein ungefähres Bild von den religiösen Stätten der Germanen machen. Wenn wir nun die Externsteine als „inoffizielles” Beispiel für eine vorchristliche Kultstätte mit heranziehen, wird es immer augenscheinlicher, dass es sich beim Klusfelsen ebenfalls um ein religiöses Zentrum unserer frühen Vorfahren handelt. Neben der bereits beschriebenen „Sonnenkammer” befindet sich am Klus ein Felsengrab, in welches sich die Priester legten, um ihre Visionen zu empfangen. Das Felsengrab ist heute mit Beton ausgegossen. Angeblich zur Sicherheit der Besucher. Vielleicht will man aber auch etwas verbergen.
Außerdem gibt es am Klusfelsen, wie auch bei anderen Kultstätten, eingemeißelte Reliefbilder und uralte Treppenanlagen. Nicht zu vergessen der von Menschenhand geschaffene Raum im unteren Teil des Klusfelsens. Solcher Art Kulträume finden sich an den Externsteinen gleich mehrere. Im oberen Teil des Klus gibt es mit Sicherheit ebenfalls weitere Räume, deren Zugang aber zugemauert ist. Für die Kultstättenforschung wäre es von enormem Wert, dürfte man die vermauerte Wand in der Kluskapelle aufbrechen. Die Genehmigung hierfür wird aber schwerlich zu bekommen sein, da die geschichtswissenschaftliche Forschung keinerlei Interesse am Klusfelsen zeigt.
Heimat- und Kultstättenforscher hegen allerdings keinen Zweifel daran, dass es sich bei der Anlage um ein vorchristliches Heiligtum handelt. Winfried Katholing schreibt beispielsweise in seinem Buch „Die Groß-Steinskulpturen-Kultplätze der Steinzeit”, dass es sich beim Klusfelsen um eine Art „Kleinausgabe” der Externsteine handelt. Dieser Aussage kann ich mich nur anschließen.
Die Nutzung des Klusfelsens als christliche Stätte wird offiziell Agnes, der Frau von Kaiser Heinrich III. zugeschrieben. Angeblich war sie es, die den Kaiser dazu bewegte, auf dem Petersberg das Kloster St. Peter zu errichten. Eine Sage weiß zu berichten, dass die Kaiserin einst ihr kostbares Geschmeide vermisste. Der Verdacht fiel auf ihren Kammerdiener, welcher verurteilt und hingerichtet wurde. Wenig später wurden die Schmuckstücke im Nest einer Elster entdeckt, was die Unschuld des Kammerdieners bewies. Dies nützte dem armen Mann allerdings wenig. Um für sein Seelenheil beten zu können, bat Agnes den Kaiser, auf dem Petersberg ein Kloster zu errichten. Wann das Kloster genau errichtet wurde, ist unklar, da die Stiftungsurkunde nicht erhalten ist. Eine erste schriftliche Erwähnung von St. Peter findet sich 1062.
Da die Errichtung des Klosters natürlich Zeit brauchte, wurde auf Agnes Wunsch im nahegelegenen Klusfelsen eine Kapelle eingerichtet, wo Agnes für ihren Kammerdiener beten konnte. Warum Agnes so erpicht darauf war, unbedingt auf dem Petersberg die Sühnestätte für das begangene Unrecht an ihrem Kammerdiener zu errichten, wissen wir nicht. Ein Kloster namens St. Peter auf dem Petersberg zu errichten, würde Sinn machen, doch diesen Namen erhielt der Berg angeblich erst durch die Klosteranlage. Vorher wurde er Kalkberg genannt. Günther Machalett ergeht sich in der Vermutung, dass der Name Petersberg sich auf den Göttervater Wodan bezieht. Bei einem überaus interessanten Telefonat mit Herrn Machalett erfuhr ich Genaueres darüber. Im Rahmen der Christianisierung der germanischen Stämme war es gängige Praxis, deren oberste Gottheiten mit den Aposteln der Evangeliengeschichten gleichzusetzen. Bekanntermaßen war der Kirche jedes Mittel recht, ihre Religionsvorstellungen den Heiden mit aller Macht aufzuzwingen. Neben körperlicher Gewalt wurden auch psychologische Maßnahmen ergriffen. Den Menschen wurde eingeredet, dass es falsch sei, noch an die alten Götter zu glauben. Angeblich drohte jedem ewige Verdammnis, der nicht seinem heidnischen Glauben abschwor und sich zum alles überthronenden Gott des Christentums bekannte. Die jeweiligen Verehrungsstätten der vorchristlichen Gottheiten wurden in feierlichen Zeremonien verschiedensten Gestalten der biblischen Geschichte geweiht. Theoretisch hätte man die oberste germanische Gottheit mit Jesus gleichsetzen müssen. Das ging den Klerikern dann aber wohl doch etwas zu weit. Immerhin wurde aus Wodan St. Peter gemacht, bei dem es sich um Simon Petrus handelte, neben Jesus die wichtigste männliche Person der Evangelien.
Siegfried Hermerding deutet den Petersberg ebenfalls als frühzeitliche Kultstätte. Aus diesem Blickwinkel betrachtet, macht der ehemalige Kalkberg als Standort der Klosteranlage St. Peter durchaus Sinn. Die Kirche war darauf aus, alle noch im Verborgenen vorhandenen Glaubensansätze an Göttervater Wodan zu unterbinden. Möglicherweise wurden auf dem Kalkberg heimlich noch heidnische Rituale praktiziert. Mit dem Bau des Klosters wurde dies nun unterbunden.
Kaiser Heinrich III. war ein sehr frommer Mann, der sich während seiner Regierungszeit unablässig für die Stärkung der Kirche einsetzte. Seine Kirchenpolitik gilt bis heute als legendär. Wir können also davon ausgehen, dass die Geschichte von seiner Frau als Stifterin des Klosters St. Peter tatsächlich eine Legende ist. Zwar wurde 1869 tatsächlich am Klusfelsen ein Grab mit einer Urne entdeckt, ob es sich hierbei aber um die Ruhestätte jenes unglücklichen Kammerdieners handelt, scheint eher fraglich. 

Ebenso „schleierhaft” wie der Bau des Klosters ausgerechnet auf dem Petersberg, erscheinen die Gründe für die Errichtung der Kluskapelle. Der bereits angesprochenen Legende nach konnte es Agnes gar nicht schnell genug gehen, Buße für das dem Kammerdiener zugefügte Unrecht zu tun. Warum es gerade der Klusfelsen sein musste, ist die eine Frage. Viel verwunderlicher finde ich es allerdings, warum man sich für einen vorübergehenden Gebetsort die Mühe machte und die Kapelle aus dem Stein schlug. Viel einfacher wäre es doch gewesen, auf dem Gelände des Klusfelsens eine kleine Kapelle im herkömmlichen Stil zu errichten. Wir können also daraus nur schlussfolgern, dass die Räumlichkeiten im Felsen bereits vorhanden waren und zu einer Kapelle umfunktioniert wurden. Diese Möglichkeit wird aber von der sogenannten wissenschaftlichen Geschichtsforschung gar nicht erst in Betracht gezogen. Eine vorchristliche Nutzung der Anlage wäre damit nicht mehr auszuschließen und mit dieser Tatsache tut sich die Wissenschaft ja bekanntlich schwer. Ich selbst bin mir ziemlich sicher, dass Klusfelsen und Petersberg ein bedeutendes Zentrum der vorchristlichen Religionen waren.
Meinen Recherchen zufolge, gehört die Kluskapelle heute besitztechnisch der Stadt Goslar. Das Kanzelrecht liegt bei der Kirchengemeinde St. Stephani. Eine Nutzung der Kapelle von anderen Kirchengemeinden bedarf der Zustimmung vom Pfarramt St. Stephani. Zu Ostern wird die Kluskapelle regelmäßig genutzt. Meinem Wissen nach finden gelegentlich auch Taufen und Trauungen statt. Auch privat wird der Klusfelsen gern für religiöse Zwecke genutzt. Davon zeugen die Rußspuren neben dem Eingang zur Kapelle. In einer kleinen Felsnische entzünden Menschen immer wieder Kerzen und Teelichter. Welchen Göttern jene Menschen huldigen, weiß ich nicht. Vielleicht sind es auch solche, die schon unsere germanischen Vorfahren kannten.
Wie versprochen möchte ich an dieser Stelle auf das Buch „Die Erde und unsere Ahnen” eingehen. Ernst Bethas Buch mit knappen Worten zu beschreiben, ist ob der behandelten Themenvielfalt nicht leicht. Zusammenfassend kann man sagen, dass der Autor der Meinung ist, dass sich ein großer Teil der menschlichen Frühgeschichte ganz anders abgespielt hat, als wir sie heute kennen. Lassen wir den Autor am besten selbst zu Wort kommen. Im Vorwort schreibt Betha: „Nicht nur das Original der Edda sondern auch die Originale vom Alten und Neuem Testament sind sehr viel früher verfasst worden, als bisher angenommen wurde.”
Bethas Ausführungen sind durchweg sehr gewagt, aber interessant. Problematisch erscheint mir nur, dass der Autor keinerlei Angaben über die Quellen seiner Forschung macht. Wir können also nicht mit Bestimmtheit sagen, ob sich Betha alles nur ausgedacht hat oder tatsächlich ein Funken Wahrheit in seinem Buch enthalten ist.
Obwohl von der wissenschaftlichen Welt seit jeher mitleidig belächelt und der Allgemeinheit fast gänzlich unbekannt, ist „Die Erde und unsere Ahnen” für unsere Betrachtungen der vorchristlichen Religionen mehr als beachtenswert. Wenn Bethas Ausführungen auch reichlich verworren und weit hergeholt scheinen, beschäftigen sie sich doch indirekt mit dem heidnischen Einfluss auf die Entstehung der christlichen Religion. Besonders interessant für diese Thematik ist Bethas Behauptung, dass die Kreuzigung von Jesus nicht in Jerusalem sondern in Jöruvalla, dem heutigen Goslar geschah!
Ja, Sie haben richtig gelesen, Ernst Betha behauptet tatsächlich, dass der „Stützpfeiler“ der christlichen Religion in Goslar, genauer gesagt am Klusfelsen gekreuzigt wurde.
Der Klusfelsen und der dazu gehörige Petersberg werden vom Autor als die eigentlichen Stätten der in den Evangelien beschriebenen Kreuzigungsgeschichte identifiziert. Der Petersberg wird zur Kreuzigungsstätte Golgatha, der Felsenkeller im unteren Teil des Klusfelsen zu Jesus Felsengrab.
Starker Tobak!
Dann gehe ich doch gleich noch weiter und sehe in dem nahegelegenen Klusteich den See Genezareth. Aus dem Osterfeld in Goslar wird dann die Stätte, an der Jesus seine Auferstehung zelebrierte.
Doch zurück zu Ernst Betha. Bei ihm ist es ein Jöten genanntes Volk, welches für die Kreuzigung von Jesus verantwortlich war. Die Verwechslung der Jöten mit dem Volk der Juden war laut Betha der Grund für deren jahrhundertelange Verfolgung. Die Jöten kennen wir aus der Edda als Volk von Riesen. Ob diese Riesen mit Bethas Jöten identisch sind, erschließt sich aus der Lektüre seines Buches nicht. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es nicht Jesus war, der auf dem Petersberg gekreuzigt wurde. Es war wohl auch keine Kreuzigung im eigentlichen Sinne. Denken wir an die Geschichte von Odin, der sich neun Tage lang an den Weltenbaum Yggdrasil hängen ließ, um zu tieferer Erkenntnis über das Universum zu gelangen. Die Edda erzählt in „Odins Runenlied” wie Odin neun Tage in einem Baum hing und ihm das Geheimnis der Runen zuteilwurde. In der Dichtung wird nicht ausdrücklich erwähnt, dass es der Baum Yggdrasil war, an dem Odin hing. Allerdings deutet die Textzeile „Am Ast des Baumes, dem niemand ansieht aus welcher Wurzel er spross” darauf hin, dass es sich um den Weltenbaum handelte, der das gesamte Universum symbolisierte.
Wir wissen heute recht wenig über die religiösen Rituale unserer germanischen Vorfahren. Möglicherweise war das Baumhängen Teil eines kultischen Rituals, welches auch auf dem Petersberg vollzogen wurde. Der Opfernde wurde dann möglicherweise in der unteren Kammer des Klusfelsen gepflegt, um sich von den Strapazen des Rituals zu erholen. In diesem Zusammenhang sei auch an die Steinskulptur „Der Hängende” an den Externsteinen erinnert, wo vielleicht ähnliche Kulthandlungen durchgeführt wurden. 

Ob zwischen diesem möglichen Ritual und einer etwaigen Kreuzigung von Jesus eine Verbindung besteht, erscheint mir allerdings mehr als fraglich. Ernst Betha hat wohl von vorchristlichen Ritualen am Klus in Goslar gehört und voreilige Schlüsse gezogen.
Bei meinen weiteren Recherchen stieß ich auf eine heute fast gänzlich vergessene vorchristliche Religion, in deren Zentrum ein gewisser Baldur-Krestos stand. Bei Baldur-Krestos ist eine gewisse Ähnlichkeit mit dem christlichen Heiland erkennbar. Auch er wurde von seinen Feinden ans Kreuz geschlagen. Und jetzt raten Sie mal wo? – Auf dem Petersberg bei Goslar! Nun könnte man der Einfachheit halber von einer weiterführenden Ausschmückung der Thesen von Ernst Betha ausgehen. Aber an der Geschichte von Baldur-Krestos muss mehr dran sein, denn sie fußt auf den Erkenntnissen eines der bedeutendsten Altertumsforscher des frühen 20. Jahrhunderts, Karl Maria Wiligut.1
Der aus einer österreichischen Offiziersfamilie stammende Wiligut absolvierte eine bemerkenswerte militärische Karriere, um sich nach dem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst ganz seiner Passion, der Altertumsforschung, hinzugeben. Laut Wiliguts eigenen Angaben war er Nachkomme einer gewissen ASA-UANA-Sippe, welche zur Volksgruppe der Wiligoten gehörte. Jene Wiligoten betrachteten einen gewissen Gott Wili aus dem nordischen Göttergeschlecht der Asen als ihren Urvater. Die ASA-UANA verschlüsselten ihre Familiengeschichte seit jeher in sogenannten Erberinnerungen, welche sie Halgarita-Sprüche nannten. Alle männlichen Nachkommen sollen einen geistigen Schlüssel besessen haben, um jene Erbinformationen abzurufen. In den Halgarita-Sprüchen soll sich außerdem die gesamte Entwicklungsgeschichte der Menschheit befunden haben. Rudolf J. Mund, so etwas wie der geistige Nachlassverwalter von Wiligut, hat einen Großteil dessen schriftlicher Aufzeichnungen ausgewertet und in dem Buch „Fragmente einer verschollenen Religion” zusammengefasst. Meine nachfolgenden Ausführungen beziehen sich zum größten Teil auf dieses Buch.
Die Frühgeschichte der Menschheit war laut Wiligut von anhaltenden kriegerischen Auseinandersetzungen verschiedener Urstämme gekennzeichnet. Im 10. Jahrhundert v. Chr. hatte sich eine blutige Fehde zweier Stämme herauskristallisiert. Es waren einerseits die Wotanisten, welche einer frühzeitlichen Urreligion der Gottheit Wotan anhingen. Bei dieser Religion muss es sich um eine eher gewalttätige und dogmatische Form des Glaubens gehandelt haben. Im Gegensatz dazu stand der Glaube an Irmin, dem sich all jene anschlossen, die sich nicht mit dem düsteren Wotanismus identifizieren konnten. Die Anhänger des Irminglaubens sahen nicht Wotan als den göttlichen Urvater an, sondern einen gewissen Tuisto, dessen Enkel Irmin eine Art Lichtgott war. Den Krieg zwischen Irministen und Wotanisten können wir als so etwas wie das Urprinzip des Kampfes zwischen Gut und Böse betrachten. Im Jahre 9600 v. Chr. soll es zur gewaltigsten Schlacht der beiden Stämme bzw. Religionsgemeinschaften gekommen sein. Zu jener Zeit war Baldur-Krestos Anführer und religiöses Oberhaupt der Irministen. Wann er geboren wurde, wissen wir nicht genau. Wiligut gibt jedoch an, dass Baldur-Krestos Mutter Nanna im Jahr 10500 v. Chr. geboren wurde. Sein Vater war der bereits erwähnte Ase Wili, den Wiliguts Vorfahren als ihre Ahnherren betrachteten. Nanna gebar ihren Sohn in einer Art unbefleckten Empfängnis, was stark an die Geburt von Jesus erinnert. Dank seines göttlichen Vaters war Baldur-Krestos ein übermenschlich langes Leben beschert. So ist es nicht verwunderlich, dass er 9600 v. Chr. noch Anführer der Irministen war. Diese lange Lebensspanne lässt mich unweigerlich an die Protagonisten des Alten Testaments denken, welche ebenfalls mehrere hundert Jahre alt wurden.
Es hat den Anschein, als hätten sich die Verfasser der biblischen Schriften auch ungeniert an der germanischen Frühgeschichte bedient, um ihre Texte interessanter zu machen. Wiederum sei angemerkt, dass ich hier nur persönliche Vermutungen anstelle und mit Sicherheit die Anhänger des christlichen Glaubens nicht beleidigen möchte.
Zentrum des Irminglaubens war Jöruvalla, das heutige Goslar, genauer gesagt der Klusfelsen, wo Baldur-Krestos die Lehren des wahren Glaubens verkündete. Das war auch der Grund, warum die Wotanisten nach der blutigen Einnahme Jöruvallas, Baldur-Krestos auf dem nahegelegenen Petersberg ans Kreuz schlugen. Der Prophet des Gottes Irmin sollte dort sterben, wo er die Lehren des Lichtgottes verkündet hatte. Baldur-Krestos überlebte die Kreuzigung und floh über mehrere Stationen bis in die damals noch fruchtbare Wüste Gobi. Dort begründete er eine Glaubensschule und verkündete weiterhin die Lehren des Irminglaubens. Sein Weiterleben in Asien zeigt erneut eine Verbindung zu Jesus, da unorthodoxe Stimmen behaupten, auch jener hätte die Kreuzigung überlebt und sei nach Indien gezogen.
Laut den Aufzeichnungen Wiliguts scheinen die Auseinandersetzungen zwischen Wotanisten und Irministen nach der Kreuzigung und Flucht von Baldur-Krestos weitergegangen zu sein. Die Anhänger des Irminglaubens sollen erst um 1200 v. Chr. nach der völligen Zerstörung ihres Heiligtums am Klusfelsen die Gegend verlassen haben. Die Religion des Gottes Irmin verlor sich anscheinend im Dunkel der Geschichte. Ob die vermeintliche Religionsschule von Baldur-Krestos in der Wüste Gobi Einfluss auf die dortigen Völker hatte, ist möglich, aber nicht nachweisbar. Allerdings fand Baldur-Krestos als der Lichtgott Balder Einzug in die heute allgemein gültige nordische Mythologie. Auch die religiösen Lehren der Wotanisten flossen in die nordische Mythologie ein, denken wir nur an den Göttervater Odin/Wodan. Erstaunlicherweise ist Balder dort Odins Sohn und Nanna nicht seine Mutter, sondern seine Frau. 

Was sollen wir nun von den teilweise recht fantastischen Ausführungen Wiliguts halten?
Zugegeben, die Sache mit den Erberinnerungen klingt ziemlich weit hergeholt. Doch was wissen wir denn wirklich Genaueres über die frühe Geschichte der germanischen Völker. Die meisten Informationen wurden aus den Niederschriften von römischen Chronisten übernommen. Jene aber waren Kinder ihrer Zeit und haben sicherlich so manches in ihren Niederschriften „zurechtgebogen”, um ihren Dienstherren zu gefallen. Ich persönlich bin der Ansicht, dass wir Wiliguts Geschichten durchaus einen gewissen Grad an geschichtlicher Wahrheit beimessen sollten. Es war ja beileibe nicht so, dass er alle seine Informationen aus jenen Erberinnerungen zog. Wiligut betrieb Zeit seines Lebens auch herkömmliche Geschichtsforschung. Leider werden bis heute seine Forschungen bezweifelt und teilweise ins Lächerliche gezogen.
Grund dafür ist in erster Linie seine zeitweilige Mitgliedschaft in Heinrich Himmlers Schutzstaffel. Der Reichsführer SS begeisterte sich bekanntlich seit frühester Jugend für mittelalterliche Geschichte, Mystik und germanisches Brauchtum. Himmler und Wiligut lernten sich auf einer Tagung der Nordischen Gesellschaft kennen. Der charismatische Wiligut zog Himmler sofort in seinen Bann und wurde schnell sein engster Berater in geschichtlichen wie esoterischen Angelegenheiten. Auf Betreiben Himmlers wurde Wiligut im November 1933 in die SS aufgenommen und mit der Erforschung der germanischen Frühgeschichte betraut. Offiziell war Wiligut zwar der „Forschungsgemeinschaft Deutsches Ahnenerbe“, einer Forschungseinrichtung der SS, unterstellt, doch fungierte er während seiner gesamten Dienstzeit als persönlicher Berater Himmlers. Obwohl Wiligut die schwarze Uniform trug, hatte er nichts mit den Männern der Waffen-SS oder den Totenkopfverbänden gemein.
Wiliguts erklärtes Ziel war es, die Religion des Irminglaubens mit ihrem vorchristlichen Heiland Baldur-Krestos neu zu erschaffen. Für diese Zielsetzung waren ihm Himmlers religiöse Ansichten durchaus recht. Der Reichsführer hatte sich schon lange von der römischen Kirche abgewandt und eine Anordnung herausgegeben, dass alle SS-Angehörigen in ihren Akten als Religion lediglich „gottgläubig“ anzugeben hatten. Möglicherweise planten Himmler und Wiligut, aus der SS einen Orden des Irminglaubens zu machen. Diese Art Religionsgründung stand allerdings im krassen Gegensatz zum Rest der NS-Elite, welche im zukünftigen Deutschland eher ein neues „Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation“ sahen. Meiner Ansicht nach wäre es wohl nach einem gewonnenen Krieg zu starken religiösen Diskrepanzen in der NS-Führung gekommen. Allerdings ist es angesichts des Ausganges des 2. Weltkrieges müßig, solche Gedankengänge weiter zu verfolgen.
Der Irminglauben ist heute weitestgehend unbekannt und wird als Fantasieprodukt Karl Maria Wiliguts abgetan. Dabei wird aber gerne vergessen, dass sich das Thema einer vorchristlichen Religion mit Zentrum im Harz bei einigen Autoren Anfang des 20. Jahrhunderts großer Beliebtheit erfreute. Rudolf John Gorsleben schreibt beispielsweise in seinem Hauptwerk „Hochzeit der Menschheit“ darüber. Allerdings vermischt Gorsleben die uns bekannten Versionen von Betha bzw. Wiligut und spricht von einem Balder-Christus.
Ob es im frühzeitlichen Europa tatsächlich die Religion eines Gottes Irmin mit seinem Propheten Baldur-Krestos gab, ist nur schwer nachweisbar, da zugegebenermaßen wirklich stichhaltige Beweise fehlen.
Doch halt, einen möglichen Beweis gibt es!
Denken wir an die Irminsul, auch bekannt als Irminsäule. Lange Zeit galt das geschichtliche Dogma, dass die Irminsul ein zentrales sächsisches Heiligtum in der Nähe der Eresburg war, welches Karl der Große 772 zerstörte. Als entscheidender Beweis wurden die „Fränkischen Reichsannalen“ angeführt, welche die Zerstörung eines zentralen Irminsul-Heiligtums beschreiben. Inzwischen hat sich die Geschichtswissenschaft jedoch ein wenig geöffnet und stellt Vermutungen an, dass es Irminsäulen an verschiedenen germanischen Kultstätten gab. Und bitte schön, was ist eine Irminsäule?
Eine Säule zu Ehren von Irmin!
Kommen wir nun zur wohl bekanntesten „verheimlichten“ vorchristlichen Kultstätte Deutschlands, den Externsteinen. Die beeindruckende Felsformation im Teutoburger Wald, nahe der Ortschaft Horn-Bad Meinberg ist so etwas wie das „Mekka“ aller Kultstättenforscher. Obwohl ein wenig Sachverstand ausreicht, um die Externsteine als vorchristliches Heiligtum zu identifizieren, wurde diese Tatsache bis vor einigen Jahren von der Wissenschaft noch vehement geleugnet. In einer an den Externsteinen erhältlichen Broschüre des Landesverbandes Lippe werden inzwischen zaghafte Hinweise gegeben, die auf eine frühzeitliche religiöse Nutzung hindeuten. An Informationen über die Bedeutung der Anlage für die christliche Kirche mangelte es allerdings nie. Wie die Kultstätte unserer Ahnen genau aussah, kann heute niemand mehr mit Bestimmtheit sagen, da die Anlage von Karl dem Großen im Zuge der Sachsenkriege zerstört worden sein soll. Der Theologe und Historiker Hermann Hamelmann gab bereits 1564 in seinen Schriften erste Hinweise auf die Zerstörung des Externsteinheiligtums im Jahre 772. Da die Anlage trotz ihrer Zerstörung bei den bekehrten Heiden immer noch große Bedeutung genoss, siedelten sich ab dem Jahr 814 Benediktinermönche in der Gegend an. Dass diese christliche Besiedlung genau im Todesjahr Karls des Großen geschah, kann Zufall sein, andererseits aber auch auf die enorme Bedeutung der Steine als heidnische Kultstätte hindeuten. Zu jener Zeit entstand auch das berühmte Kreuzabnahmerelief, um den Externsteinen einen christlichen Anstrich zu geben. 

Da die Christianisierung der Sachsen auch in den folgenden Jahrhunderten nicht den von der Kirche erwünschten Erfolg brachte, richteten die Mönche des Paderborner Klosters Abdinghof an den Externsteinen eine Art „Zweigstelle“ ein. Die Mönche versuchten alle noch verbliebenen Hinweise auf die vorchristliche Kultstätte zu vernichten und machten aus den Externsteinen eine Heilig-Grab-Gedenkstätte welche als Ersatzwallfahrtsort für alle Pilger dienen sollte, welche nicht nach Jerusalem reisen konnten.
Im Zuge der Reformation kam es zwischen der Kirche und dem westfälischen Herrscherhaus „Zur Lippe“ zu einem jahrzehntelangen Streit um die Besitzansprüche der Externsteine. Das Haus „Zur Lippe“ ging erfolgreich aus diesem Streit hervor und Graf Hermann Adolf zur Lippe begann 1659 mit dem Bau eines Schlosses, in welches Teile der Felsformation mit einbezogen wurden.
Die jahrhundertelange Vorherrschaft der Kirche an den Externsteinen hatte schon viele der noch vorhandenen Hinweise auf eine vorchristliche Nutzung der Anlage vernichtet. Die Errichtung des herrschaftlichen Schlosses sorgte schließlich dafür, dass die vorchristliche Kultstätte fast gänzlich in Vergessenheit geriet. Die vielfachen baulichen Veränderungen der Anlage sind auch der Grund, warum die frühzeitliche Nutzung der Externsteine bis heute nicht offiziell anerkannt wird.
Abgesehen von Wilhelm Teudt's 1929 erschienener Veröffentlichung „Germanische Heiligtümer“, welche die Externsteine als zentrales Thema beinhaltet, fristete die Felsformation im Teutoburger Wald einen jahrhundertelangen „Dornröschenschlaf“. Es waren die Nationalsozialisten Deutschlands, welche die imposanten Externsteine in das Gedächtnis der Öffentlichkeit zurückholten. Die führenden Köpfe des Dritten Reiches strebten nach einer neuen Religion für ihr Volk, welche sich auf die Ursprünge der alten Germanen gründen sollte. In dieser neuen Glaubensrichtung sollte rein gar nichts mehr an Jesus oder den jüdischen Schöpfergott Jahwe erinnern. Ein beliebter Slogan der damaligen Zeit war: „Ohne Juda ohne Rom, bauen wir Germaniens Dom.” Jener Ausspruch geht auf Georg von Schönerer zurück, einem österreichischen Politiker, welcher zu Beginn des 20. Jahrhunderts das Sprachrohr der neuentstandenen „Los-von-Rom-Bewegung“ war. Deren Anhänger forderten einen konsequenten Wechsel von der römisch-katholischen zur evangelischen Kirche. Die nationalsozialistischen Machthaber gingen noch weiter und wollten die christliche Religion gänzlich abschaffen. Zu dieser Zeit wurde auch der Begriff der „Gottgläubigkeit“ erfunden, welchen all jene verwendeten, die zwar an einen Schöpfergott glaubten, allerdings die bestehenden Konfessionen aus privaten oder politischen Gründen ablehnten.
Reichsführer SS Heinrich Himmler war die treibende Kraft bei der Neubegründung einer vermeintlichen germanischen Urreligion. Da der bereits erwähnte Externsteinforscher Wilhelm Teudt zu den Mitbegründern der „Forschungsgemeinschaft Deutsches Ahnenerbe“ gehörte, rückte die Felsformation recht schnell in den Fokus der SS. Himmler ließ das Gebiet um die Externsteine zu einer „weltanschaulichen Interessensphäre der SS“ erklären. Noch vor Entstehen des „Ahnenerbe“ regten Himmler und Teudt die Gründung einer Externstein-Stiftung unter der Schirmherrschaft der Landesregierung Lippe an. Diese Stiftung beauftragte 1934 Professor Julius Andrée von der Universität München mit der wissenschaftlichen Untersuchung der Externsteine. Die von Andrée gemachten Funde und deren Auswertungen gelten heute als umstritten. So geht es aber fast allen in der Zeit des deutschen Nationalsozialismus gemachten wissenschaftlichen Nachforschungen. Natürlich ist nicht zu leugnen, dass die Wissenschaft vom damaligen Zeitgeist geprägt war. Es ist meiner Ansicht nach allerdings falsch, alle Erkenntnisse aus jener Zeit als „Gefälligkeitswissenschaft“ an die nationalsozialistischen Machthaber zu werten.
Eine genauere Beschreibung von Professor Andrées Funden würde hier zu weit führen. Die für mich erstaunlichste Entdeckung möchte ich meinen Lesern aber nicht vorenthalten. Auf dem sogenannten Sacellumfelsen wurde ein fast kreisrundes Loch mit einem Durchmesser von 27 cm und einer Tiefe von 26 cm entdeckt. Das Loch weist Meißelspuren auf und ist eindeutig von Menschenhand geschaffen. Form und Ort des ausgemeißelten Loches deuten darauf hin, dass es zur Aufnahme einer Holzsäule diente. Wenn auch keine eindeutigen Beweise vorliegen, ist die Möglichkeit nicht auszuschließen, dass die Externsteine ebenfalls Standort einer Irminsäule waren.
Das von mir schon kurz erwähnte Kreuzabnahmerelief steht meiner Ansicht nach in direktem Zusammenhang mit der späteren Nutzung der Externsteine als Heilig-Grab-Gedenkstätte Interessanterweise ist in dem Steinrelief eine umgebogene Irminsäule dargestellt. Der Künstler wollte hier wohl der Nachwelt einen versteckten Hinweis darauf geben, dass die Externsteine Standort einer Irminsul waren, welche von Karl dem Großen zerstört wurde.
Nachdem Professor Andrée seine Nachforschungen abgeschlossen hatte, verbot die SS alle weiteren wissenschaftlichen Untersuchungen. Die Gründe für dieses Verbot sind bis heute strittig. Ich bin der Ansicht, dass die wissenschaftlichen Mitarbeiter sicherstellen wollten, dass die wenigen noch erhaltenen Hinweise auf eine heidnische Kultstätte geschützt werden sollten. Nach dem Ende des Dritten Reiches, genauer gesagt im Jahre 1948, wurden jene Hinweise endgültig beseitigt. Eine merkwürdige Form der Entnazifizierung!

Lange Jahre wurde es ruhig um die Felsen im Teutoburger Wald. Zu erneuten Untersuchungen kam es erst wieder 1990, welche eine vorchristliche Nutzung der Externsteine nicht ausschlossen. Das letzte Wort war jedoch noch nicht gesprochen. Die eineinhalb Jahre dauernden Nachforschungen der Heidelberger Akademie der Wissenschaften gipfelten am 20. Oktober 2005 in einer Pressekonferenz, in deren Rahmen den Ergebnissen von 1990 gänzlich widersprochen wurde. Die in den Grotten vorhandenen Feuerstätten wurden zeitlich zwischen der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts und Ende des 15. Jahrhunderts datiert. Anhand dieser Ergebnisse wurde von der Heidelberger Akademie die vorchristliche Nutzung der Externsteine ausgeschlossen. Für mich ist es allerdings schleierhaft, wie man auf Grund einiger untersuchter Feuerspuren auf die zeitliche Nutzung der gesamten Anlage schließen kann.
Der Streit um die Geschichte der Externsteine dauert bis heute an und wird wohl auch in Zukunft nicht beigelegt werden. Kultstättenfreunde wie Heimatforscher sind sich allerdings einig, dass die Externsteine seit frühester Menschheitsgeschichte für religiöse Zwecke genutzt wurden. Die obligatorischen Kulträume sowie das Felsengrab für die priesterlichen Visionen sind noch vorhanden. Neben dem möglichen Standplatz der Irminsul ist das beeindruckende Kreuzabnahmerelief für mich ein eindeutiger Hinweis auf eine heidnische Kultstätte. Solch eine kunstvolle „Markierung“ wurde sicherlich nicht an einer unbedeutenden Felsformation angebracht. Den wohl eindeutigsten Hinweis auf eine vorchristliche Nutzung der Externsteine stellt wohl die als „Sacellum“ bekannte Sonnenkammer dar. Wenn sich die moderne Geschichtswissenschaft zwar schwer tut, die Externsteine als vorchristliche Kultstätte anzuerkennen, mehren sich jedoch die Stimmen, welche den Raum mit dem germanischen Sonnenkult in Verbindung bringen. In der vom Landesverband Lippe herausgegebenen Broschüre findet sich sogar ein vager Hinweis auf die Sonnenkammer. Das „Sacellum” wird heute kurzerhand meistens als „Obere Kapelle“ bezeichnet. Die Sonnenkammer als Kapelle ohne eine vorherige andersartige Nutzung zu betrachten, macht wenig Sinn. Wer sollte auf die Idee kommen, an so einer beschwerlich zu erreichenden Stelle eine Kapelle für Pilger zu errichten? Außerdem hat der Altar eine völlig untypische Form und ist viel zu klein für christliche Verrichtungen. Renommierte Astronomen, wie beispielsweise Wolfhard Schlosser, weisen immer wieder auf die Bedeutung des „Sacellum” als frühzeitlichen Observatorium hin.
Eine mögliche andere Verwendung der Sonnenkammer bzw. der gesamten Externsteine vermutet Gernot L. Geise. Herr Geise ist Mitglied der „Europäischen Gesellschaft für frühgeschichtliche Technologie und Randgebiete der Wissenschaft e. V.“ (EFODON) sowie Autor verschiedener grenzwissenschaftlicher Publikationen. Er sieht in den Externsteinen den Knotenpunkt eines komplexen keltischen Nachrichtensystems. Nachweislich sind verschiedene keltische Höhenfestungen entlang des Teutoburger Waldes bekannt, so dass eine zeitweilige keltische Besiedlung des Gebietes um die Externsteine nicht auszuschließen ist. Es handelte sich dann aber vermutlich um die nördlichste Ausdehnung der sogenannten Hallstattkultur. Auf jenes vermeintliche Nachrichtensystem werde ich an späterer Stelle noch einmal ausführlich zurückkommen.
Anhand meiner bisher gemachten Ausführungen werden meine geschätzten Leser vermuten, dass die Vereinnahmung heidnischer Kultplätze durch die Kirche relativ zeitnah mit der Verbreitung des Christentums geschah. Dem ist allerdings nicht so. Bestes Beispiel dafür, dass wir bei diesem Thema gar nicht so weit in der Geschichte zurückgehen müssen, ist der Götterfelsen bei Meißen. Das den Berg krönende Felsplateau soll dem Volke der Hermunduren einst als ritueller Platz gedient haben. Die Hermunduren waren ein frühgermanischer Volksstamm, welcher schon zu Zeiten von Julius Caesar den Römern bekannt war. Der römische Geschichtsschreiber Tacitus weiß nur Gutes über jenen Stamm zu berichten. In seiner „Germania“ schreibt er, dass die Hermunduren den Römern treu ergeben waren und sich als einzige Germanen frei im römischen Territorium bewegen durften. Die Hermunduren gehörten also zweifelsohne zu den ersten germanischen Verbündeten der Römer. Das freundschaftliche Verhältnis sollte jedoch nicht von Dauer sein. Grund dafür war die bei den Römern so beliebte Umsiedlungspolitik ihrer Verbündeten und Untertanen. Die Ansiedlung von Teilen der Hermunduren in einem unbewohnten Gebiet am Main rückte diese in die räumliche Nähe des Stammes der Markomannen. Die so entstandene Allianz fühlte sich stark genug, ihren römischen Herren Paroli zu bieten und gipfelte einige Generationen später in den sogenannten Markomannenkriegen, welche zu den größten militärischen Auseinandersetzungen zwischen Römern und Germanen gehörten. Nach dem Friedensschluss im Jahre 180 lösten die Hermunduren ihre Verbindungen zu den Markomannen auf und zogen Richtung Thüringen. Teile des Stammes siedelten sich zeitweilig in der Gegend des heutigen Meißens an. Der dortige Götterfelsen muss den Hermunduren als idealer Platz für ihre religiösen Handlungen erschienen sein. Das Felsplateau hoch über dem Fluss Elbe übt auch heute noch einen erstaunlichen Reiz auf den Besucher aus. Die naturbelassene Schönheit jenes Ortes wurde im Jahre 1843 nachhaltig gestört. Zum 300. Jubiläum des Sächsisches Landesgymnasiums Sankt Afra wurde auf dem Götterfelsen ein schmiedeeisernes Kreuz auf einem Steinsockel errichtet. Das Gymnasium für hochbegabte Schüler wurde bereits im 16. Jahrhundert im ehemaligen Kloster der Augustiner-Chorherren Sankt Afra errichtet. Die frühchristliche Märtyrerin Afra von Augsburg wurde als Namensgeberin beibehalten, da die Schüler im Sinne des evangelischen Glaubens und Humanismus erzogen werden sollten. Der ehemalige heidnische Kultplatz wurde als Andachtsstätte für die Schüler ausgewählt. Bis heute finden Wanderungen der Schüler zum Götterfelsen statt. Dass die Vereinnahmung des ehemaligen hermundurischen Kultplatzes durch ein auf christlichen Grundwerten gegründetes Gymnasium bis heute umstritten ist, bezeugt ein Vorfall aus dem Jahr 2010. In der Nacht vom 20. zum 21. März wurde das Kreuz auf dem Götterfelsen von Unbekannten abgesägt. Einen versuchten Metalldiebstahl schloss die Polizei aus, auch ein Fall von Vandalismus erscheint auf Grund der Lage des Platzes unwahrscheinlich. Vielleicht waren es ja Anhänger der germanischen Religion, welche ein Zeichen gegen den christlichen Glauben setzen wollten. Aber das ist nur eine Vermutung meinerseits.

Skeptiker könnten jetzt behaupten, dass die Übernahme heidnischer Kultplätze durch die Kirche zwar eine weitverbreitete These ist, welche sich jedoch nur schwerlich beweisen lässt. Lassen Sie mich daher zum Ende dieses Kapitels noch ein Beispiel bringen, das die Behauptungen von zahlreichen Grenzwissenschaftlern und Heimatforschern stützt. Bei meinen Recherchen stieß ich auf eine geschichtliche Überlieferung aus dem 8. Jahrhundert. Protagonist jener Geschichte ist Bonifatius, der uns wohlbekannte „Apostel der Deutschen“. Um das Jahr 723 versuchte Bonifatius mit recht zweifelhaften Mitteln, dem Volk der Chatten, welche damals Teil des fränkischen Königreiches waren, den Glauben der römischen Papstkirche nahezubringen. Die Chatten, welche in der Gegend des heutigen Hessen lebten, hatten zu jener Zeit bereits das in Europa weitverbreitete arianische Christentum übernommen, verehrten aber zum Teil auch noch ihre alten germanischen Götter. Bonifatius, der bereits das Zentralheiligtum der Chatten, die Donareiche hatte fällen lassen, stieß bei seiner Missionierungstätigkeit in Hessen auch auf einen Kultplatz zu Ehren des Gottes Wodan. Zentrum jener heiligen Stätte war ein gewaltiger Menhir von ehemals über sechs Metern Höhe, bekannt als der „Lange Stein“. Da ihm die technischen Möglichkeiten fehlten, diesen gewaltigen Stein zu zerstören, bediente sich Bonifatius einer anderen Taktik. Er ließ direkt neben dem Menhir eine Kapelle errichten und zwang die Bewohner der Gegend mit Gewalt zum neuen Glauben. Die aller Wahrscheinlichkeit nach hölzerne Kapelle wurde in den folgenden Jahrhunderten durch mehrere steinerne Kirchen ersetzt. Die Bauherren der heutigen Kirche verwendeten einen technischen Kunstkniff, um die vorchristliche Religion noch mehr zu schmähen. Sie ließen die Kirchhofsmauer direkt bis an den „Langen Stein“ verlegen, um den alten heidnischen Kultplatz sichtbar „auszugrenzen“. Die Kirche der heutigen Ortschaft Langenstein ist sozusagen ein steinernes Beispiel dafür, wie die alte germanische Religion von der römischen Kirche ins Abseits gedrängt wurde.

 

"Rätsel, Mythen und Mysterien"

Kindle Edition 2013

 

Wiligut Weisthor- Heilsbringer oder Scharlatan?


Versonnen dreinschauend saß Reichsführer-SS Heinrich Himmler am Schreibtisch seines Dienstzimmers im Braunen Haus München und beobachtete den älteren Mann, welcher tief über eine Buch gebeugt, auf der anderen Seite des Schreibtisches saß. Der Mann mit den Rangabzeichen eines SS-Standartenführers studierte das vor ihm liegende Buch schon seit geraumer Zeit und der Reichsführer wurde zunehmend ungeduldiger. Eben war noch SS-Obergruppenführer Karl Wolff, Himmlers persönlicher Adjutant eingetreten, welchen Himmler mit einer Handbewegung zum warten aufgefordert hatte. Schließlich hob der ältere Mann den Kopf und schaute seinen Gegenüber triumphierend an.

„Ich habe es gefunden, Herr Reichsführer. Hier ist die Prophezeiung der großen Entscheidungsschlacht, über die wir uns unterhalten haben, sogar schriftlich niedergelegt. Soll ich sie Ihnen vorlesen? Der Text ist in mittelhochdeutscher Sprache abgefasst.“ Die Augen des Mannes blitzten vor Freude und Genugtuung über seinen Fund.

„Danke, mein lieber Herr Weisthor“ sagte Himmler, „wenn Sie mir die Bücher hierlassen könnten.“

Himmler brachte den Weisthor genannten Mann zur Tür des Arbeitszimmers und verabschiedete ihn herzlich. An den Schreibtisch zurück gekehrt, wandte sich der Reichsführer endlich seinem immer noch wartenden Adjutanten zu.

„Wir suchen doch schon lange eine Ordensburg für unsere SS. Am besten würden wir uns mal in Westfalen danach umsehen. Ich habe die geeignete Burgruine aus germanischer Vorzeit in Westfalen gefunden. Die Wewelsburg. Sie liegt in der Nähe von Paderborn.“

Fussnote 1 Zitate entnommen aus Rudolf J. Mund „Der Rasputin Himmlers“


Wer war jener Weisthor, mit welchem der Reichsführer- SS so vertraulich umging, obwohl er sonst als eher reserviert galt? Und was hatte es mit der geheimnisvollen Wewelsburg auf sich? Nur zwei von vielen Fragen, welche hier geklärt werden sollen.

Weisthor war das Pseudonym eines Mannes, welcher eigentlich Karl Maria Wiligut hieß und Heinrich Himmler in Fragen der germanischen Frühgeschichte beriet. Die beiden Männer trafen erstmals bei einer Tagung der Nordischen Gesellschaft im Jahr 1933 aufeinander. Himmler war sofort begeistert vom frühgeschichtlichen Wissen seines späteren Beraters. Doch möchte ich nicht zu weit vorgreifen und zunächst auf die Person Wiliguts eingehen.


 

Geboren wurde Karl Maria Wiligut am 10. Dezember 1866 in Wien. Er entstammte einer stolzen Offiziersfamilie, Vater, Großvater und Urgroßvater hatten hochrangige Dienstgrade in der österreichischen Armee inne. Im Lebenslauf für seine SS- Personalakte gab Wiligut an, dass sich die männlichen Mitglieder seiner Familie schon seit dem Dreißigjährigen Krieg dem Kriegshandwerk verschrieben hatten. Der berufliche Werdegang des kleinen Karl Maria war also sozusagen schon bei seiner Geburt vorgegeben.

 

 

 

 

 

 

Sein Vater Franz Karl Wiligut, geboren am 29. März 1838, hatte es bis zum Rang eines Landwehrhauptmannes in der Kaiserlich und Königlichen Armee (K.u.K.) gebracht und war unter anderem mit der silbernen Tapferkeitsmedaille 1. Klasse sowie der K.u.K.Österreichischen Kriegsmedaille ausgezeichnet worden. Nach der Eheschließung mit Karl Marias Mutter quittierte er den Dienst und wechselte in den Polizeidienst. So konnte sich Vater Wiligut mehr um seine Familie und die Erziehung von Karl Maria kümmern. Dieser besuchte zunächst die Realschule und trat mit fünfzehn Jahren der K.u.K. Kadettenschule in Wien-Breitensee bei. Die Kadettenschule genoss einen ausgezeichneten Ruf. Hier erhielt Wiligut neben seiner militärischen Ausbildung eine umfangreiche Allgemeinbildung, welche ihm später bei seiner Tätigkeit als Frühgeschichtsforscher von Nutzen sein sollte. Neben verschiedenen Fremdsprachen standen unter anderem Geographie, Geschichte, Mathematik, Physik und Chemie auf dem Stundenplan. Wiligut bekam während seiner Ausbildung nur die besten Beurteilungen und wurde am 1. November 1988 zum Leutnant ernannt. Im Speziellen wurden seine Führungsqualitäten hervor gehoben, was zu weiteren Beförderungen führte.Bei Ausbruch des 1. Weltkrieges bekleidete Wiligut bereits den Rang eines Majors. Zunächst als Stabsoffizier bei einem Nachrichtenbataillon dienend, wurde Wiligut ab 1915 als Kommandant verschiedener Einheiten an vorderster Front eingesetzt. Seinem militärisches Können und seine herausragenden Führungseigenschaften verdankte die österreichische Armee mehrere entscheidende Siege. Ein Beurteilung vom Juni 1916 bescheinigt Wiligut „Zum Regimentskommandeur geeignet.“

 

 

 

 

 

Mit Wirkung vom 1. August 1917 wurde er zum Oberst der K.u.K. Armee ernannt. Nur reichlich ein Jahr später endete Wiliguts schillernde militärische Laufbahn mit dem Ende des 1. Weltkrieges. Wie so viele seiner Kameraden wurde er frühzeitig pensioniert und lebte fortan in Salzburg. Dort widmete sich Wiligut verstärkt seinen frühgeschichtlichen Forschungen, welche er bis dahin eher sporadisch betrieben hatte. Bereits 1903 hatte er „Seyfrieds Runen“ veröffentlichte , ein in Reimform gehaltene Wiedergabe der Rabensteinsage vom Znaim, heute Znojmo in Tschechien

Wiligut Weisthor- Heilsbringer oder Scharlatan?


Versonnen dreinschauend saß Reichsführer-SS Heinrich Himmler am Schreibtisch seines Dienstzimmers im Braunen Haus München und beobachtete den älteren Mann, welcher tief über eine Buch gebeugt, auf der anderen Seite des Schreibtisches saß. Der Mann mit den Rangabzeichen eines SS-Standartenführers studierte das vor ihm liegende Buch schon seit geraumer Zeit und der Reichsführer wurde zunehmend ungeduldiger. Eben war noch SS-Obergruppenführer Karl Wolff, Himmlers persönlicher Adjutant eingetreten, welchen Himmler mit einer Handbewegung zum warten aufgefordert hatte. Schließlich hob der ältere Mann den Kopf und schaute seinen Gegenüber triumphierend an.

„Ich habe es gefunden, Herr Reichsführer. Hier ist die Prophezeiung der großen Entscheidungsschlacht, über die wir uns unterhalten haben, sogar schriftlich niedergelegt. Soll ich sie Ihnen vorlesen? Der Text ist in mittelhochdeutscher Sprache abgefasst.“ Die Augen des Mannes blitzten vor Freude und Genugtuung über seinen Fund.

„Danke, mein lieber Herr Weisthor“ sagte Himmler, „wenn Sie mir die Bücher hierlassen könnten.“

Himmler brachte den Weisthor genannten Mann zur Tür des Arbeitszimmers und verabschiedete ihn herzlich. An den Schreibtisch zurück gekehrt, wandte sich der Reichsführer endlich seinem immer noch wartenden Adjutanten zu.

„Wir suchen doch schon lange eine Ordensburg für unsere SS. Am besten würden wir uns mal in Westfalen danach umsehen. Ich habe die geeignete Burgruine aus germanischer Vorzeit in Westfalen gefunden. Die Wewelsburg. Sie liegt in der Nähe von Paderborn.“

Fussnote 1 Zitate entnommen aus Rudolf J. Mund „Der Rasputin Himmlers“


Wer war jener Weisthor, mit welchem der Reichsführer- SS so vertraulich umging, obwohl er sonst als eher reserviert galt? Und was hatte es mit der geheimnisvollen Wewelsburg auf sich? Nur zwei von vielen Fragen, welche hier geklärt werden sollen.

Weisthor war das Pseudonym eines Mannes, welcher eigentlich Karl Maria Wiligut hieß und Heinrich Himmler in Fragen der germanischen Frühgeschichte beriet. Die beiden Männer trafen erstmals bei einer Tagung der Nordischen Gesellschaft im Jahr 1933 aufeinander. Himmler war sofort begeistert vom frühgeschichtlichen Wissen seines späteren Beraters. Doch möchte ich nicht zu weit vorgreifen und zunächst auf die Person Wiliguts eingehen.


 

Geboren wurde Karl Maria Wiligut am 10. Dezember 1866 in Wien. Er entstammte einer stolzen Offiziersfamilie, Vater, Großvater und Urgroßvater hatten hochrangige Dienstgrade in der österreichischen Armee inne. Im Lebenslauf für seine SS- Personalakte gab Wiligut an, dass sich die männlichen Mitglieder seiner Familie schon seit dem Dreißigjährigen Krieg dem Kriegshandwerk verschrieben hatten. Der berufliche Werdegang des kleinen Karl Maria war also sozusagen schon bei seiner Geburt vorgegeben.

 

 

 

 

 

 

Sein Vater Franz Karl Wiligut, geboren am 29. März 1838, hatte es bis zum Rang eines Landwehrhauptmannes in der Kaiserlich und Königlichen Armee (K.u.K.) gebracht und war unter anderem mit der silbernen Tapferkeitsmedaille 1. Klasse sowie der K.u.K.Österreichischen Kriegsmedaille ausgezeichnet worden. Nach der Eheschließung mit Karl Marias Mutter quittierte er den Dienst und wechselte in den Polizeidienst. So konnte sich Vater Wiligut mehr um seine Familie und die Erziehung von Karl Maria kümmern. Dieser besuchte zunächst die Realschule und trat mit fünfzehn Jahren der K.u.K. Kadettenschule in Wien-Breitensee bei. Die Kadettenschule genoss einen ausgezeichneten Ruf. Hier erhielt Wiligut neben seiner militärischen Ausbildung eine umfangreiche Allgemeinbildung, welche ihm später bei seiner Tätigkeit als Frühgeschichtsforscher von Nutzen sein sollte. Neben verschiedenen Fremdsprachen standen unter anderem Geographie, Geschichte, Mathematik, Physik und Chemie auf dem Stundenplan. Wiligut bekam während seiner Ausbildung nur die besten Beurteilungen und wurde am 1. November 1988 zum Leutnant ernannt. Im Speziellen wurden seine Führungsqualitäten hervor gehoben, was zu weiteren Beförderungen führte.Bei Ausbruch des 1. Weltkrieges bekleidete Wiligut bereits den Rang eines Majors. Zunächst als Stabsoffizier bei einem Nachrichtenbataillon dienend, wurde Wiligut ab 1915 als Kommandant verschiedener Einheiten an vorderster Front eingesetzt. Seinem militärisches Können und seine herausragenden Führungseigenschaften verdankte die österreichische Armee mehrere entscheidende Siege. Ein Beurteilung vom Juni 1916 bescheinigt Wiligut „Zum Regimentskommandeur geeignet.“

 

 

 

 

 

Mit Wirkung vom 1. August 1917 wurde er zum Oberst der K.u.K. Armee ernannt. Nur reichlich ein Jahr später endete Wiliguts schillernde militärische Laufbahn mit dem Ende des 1. Weltkrieges. Wie so viele seiner Kameraden wurde er frühzeitig pensioniert und lebte fortan in Salzburg. Dort widmete sich Wiligut verstärkt seinen frühgeschichtlichen Forschungen, welche er bis dahin eher sporadisch betrieben hatte. Bereits 1903 hatte er „Seyfrieds Runen“ veröffentlichte , ein in Reimform gehaltene Wiedergabe der Rabensteinsage vom Znaim, heute Znojmo in Tschechien

Wiligut Weisthor- Heilsbringer oder Scharlatan?


Versonnen dreinschauend saß Reichsführer-SS Heinrich Himmler am Schreibtisch seines Dienstzimmers im Braunen Haus München und beobachtete den älteren Mann, welcher tief über eine Buch gebeugt, auf der anderen Seite des Schreibtisches saß. Der Mann mit den Rangabzeichen eines SS-Standartenführers studierte das vor ihm liegende Buch schon seit geraumer Zeit und der Reichsführer wurde zunehmend ungeduldiger. Eben war noch SS-Obergruppenführer Karl Wolff, Himmlers persönlicher Adjutant eingetreten, welchen Himmler mit einer Handbewegung zum warten aufgefordert hatte. Schließlich hob der ältere Mann den Kopf und schaute seinen Gegenüber triumphierend an.

„Ich habe es gefunden, Herr Reichsführer. Hier ist die Prophezeiung der großen Entscheidungsschlacht, über die wir uns unterhalten haben, sogar schriftlich niedergelegt. Soll ich sie Ihnen vorlesen? Der Text ist in mittelhochdeutscher Sprache abgefasst.“ Die Augen des Mannes blitzten vor Freude und Genugtuung über seinen Fund.

„Danke, mein lieber Herr Weisthor“ sagte Himmler, „wenn Sie mir die Bücher hierlassen könnten.“

Himmler brachte den Weisthor genannten Mann zur Tür des Arbeitszimmers und verabschiedete ihn herzlich. An den Schreibtisch zurück gekehrt, wandte sich der Reichsführer endlich seinem immer noch wartenden Adjutanten zu.

„Wir suchen doch schon lange eine Ordensburg für unsere SS. Am besten würden wir uns mal in Westfalen danach umsehen. Ich habe die geeignete Burgruine aus germanischer Vorzeit in Westfalen gefunden. Die Wewelsburg. Sie liegt in der Nähe von Paderborn.“

Fussnote 1 Zitate entnommen aus Rudolf J. Mund „Der Rasputin Himmlers“


Wer war jener Weisthor, mit welchem der Reichsführer- SS so vertraulich umging, obwohl er sonst als eher reserviert galt? Und was hatte es mit der geheimnisvollen Wewelsburg auf sich? Nur zwei von vielen Fragen, welche hier geklärt werden sollen.

Weisthor war das Pseudonym eines Mannes, welcher eigentlich Karl Maria Wiligut hieß und Heinrich Himmler in Fragen der germanischen Frühgeschichte beriet. Die beiden Männer trafen erstmals bei einer Tagung der Nordischen Gesellschaft im Jahr 1933 aufeinander. Himmler war sofort begeistert vom frühgeschichtlichen Wissen seines späteren Beraters. Doch möchte ich nicht zu weit vorgreifen und zunächst auf die Person Wiliguts eingehen.


 

Geboren wurde Karl Maria Wiligut am 10. Dezember 1866 in Wien. Er entstammte einer stolzen Offiziersfamilie, Vater, Großvater und Urgroßvater hatten hochrangige Dienstgrade in der österreichischen Armee inne. Im Lebenslauf für seine SS- Personalakte gab Wiligut an, dass sich die männlichen Mitglieder seiner Familie schon seit dem Dreißigjährigen Krieg dem Kriegshandwerk verschrieben hatten. Der berufliche Werdegang des kleinen Karl Maria war also sozusagen schon bei seiner Geburt vorgegeben.

 

 

 

 

 

 

Sein Vater Franz Karl Wiligut, geboren am 29. März 1838, hatte es bis zum Rang eines Landwehrhauptmannes in der Kaiserlich und Königlichen Armee (K.u.K.) gebracht und war unter anderem mit der silbernen Tapferkeitsmedaille 1. Klasse sowie der K.u.K.Österreichischen Kriegsmedaille ausgezeichnet worden. Nach der Eheschließung mit Karl Marias Mutter quittierte er den Dienst und wechselte in den Polizeidienst. So konnte sich Vater Wiligut mehr um seine Familie und die Erziehung von Karl Maria kümmern. Dieser besuchte zunächst die Realschule und trat mit fünfzehn Jahren der K.u.K. Kadettenschule in Wien-Breitensee bei. Die Kadettenschule genoss einen ausgezeichneten Ruf. Hier erhielt Wiligut neben seiner militärischen Ausbildung eine umfangreiche Allgemeinbildung, welche ihm später bei seiner Tätigkeit als Frühgeschichtsforscher von Nutzen sein sollte. Neben verschiedenen Fremdsprachen standen unter anderem Geographie, Geschichte, Mathematik, Physik und Chemie auf dem Stundenplan. Wiligut bekam während seiner Ausbildung nur die besten Beurteilungen und wurde am 1. November 1988 zum Leutnant ernannt. Im Speziellen wurden seine Führungsqualitäten hervor gehoben, was zu weiteren Beförderungen führte.Bei Ausbruch des 1. Weltkrieges bekleidete Wiligut bereits den Rang eines Majors. Zunächst als Stabsoffizier bei einem Nachrichtenbataillon dienend, wurde Wiligut ab 1915 als Kommandant verschiedener Einheiten an vorderster Front eingesetzt. Seinem militärisches Können und seine herausragenden Führungseigenschaften verdankte die österreichische Armee mehrere entscheidende Siege. Ein Beurteilung vom Juni 1916 bescheinigt Wiligut „Zum Regimentskommandeur geeignet.“

 

 

 

 

 

Mit Wirkung vom 1. August 1917 wurde er zum Oberst der K.u.K. Armee ernannt. Nur reichlich ein Jahr später endete Wiliguts schillernde militärische Laufbahn mit dem Ende des 1. Weltkrieges. Wie so viele seiner Kameraden wurde er frühzeitig pensioniert und lebte fortan in Salzburg. Dort widmete sich Wiligut verstärkt seinen frühgeschichtlichen Forschungen, welche er bis dahin eher sporadisch betrieben hatte. Bereits 1903 hatte er „Seyfrieds Runen“ veröffentlichte , ein in Reimform gehaltene Wiedergabe der Rabensteinsage vom Znaim, heute Znojmo in Tschechien

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MIKE VOGLER - SACHBUCHAUTOR